Kita-Betreuung

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Eine Kita-Leiterin ist pädagogisch nicht auf der Höhe und straft nach alter Väter Schule. Den Mitarbeiterinnen, die sich für die Kinder wehren, wird gekündigt. Der VPOD unterstützte den Einsatz für eine gute Betreuung und den persönlichen Kampf – mit Teilerfolg.

Die Mitarbeiterinnen einer Kindertagesstätte, die alle Mitglied des VPOD sind, erhoben heftige Vorwürfe gegen die Leiterin. Sie verfüge nicht über die persönliche und fachliche Eignung zur Ausübung einer solchen
Funktion. Ihr Umgang mit den Kindern entspreche nicht den pädagogischen Ansätzen der heutigen Zeit. Die Kinderbetreuerinnen hatten eine lange Liste von Vorkommnissen zusammengestellt: So habe die Leiterin einem
Kind aus «erzieherischen» Gründen die Hände auf den Tisch gebunden. Einem zweijährigen Knaben hatte sie auf dem Spaziergang verboten, sich am Kinderwagen festzuhalten oder der Betreuerin die Hand
zu geben. Als er sich weigerte, allein zu gehen und zu weinen begann, drohte sie ihm mit Stehenlassen.

Unverhältnismässige Strafen

Kleinkinder wurden angehalten, die Spielsachen perfekt aufzuräumen und einzuordnen. Wenn die Kinder etwas nicht so machten, wie sie sollten, etwa ein falsches Zahnbürsteli benutzten, wurden sie von der Leiterin angeschrien. Zwang und Strafen setzte sie völlig unverhältnismässig ein. Kinder wurden herabgesetzt und ungleich behandelt, die einen bevorzugt, die anderen beim geringsten Anlass überzogen bestraft.
Ein Mädchen, das auf solche Beschimpfungen mit ängstlichem Rückzugsverhalten reagierte,
wurde von seinen Eltern aus der Kita genommen. Das war nicht der einzige Fall.


Auch die Mitarbeitenden fühlten sich eingeschüchtert, wenn sie vor den Kindern und Eltern zurechtgewiesen oder durch gezielte Indiskretionen gegeneinander ausgespielt wurden. Teilweise arbeiteten sie
10 Stunden ohne Pause. Arbeitsverträge erhielten sie manchmal erst nach mehrmaligem Nachfragen. Oft wurden veränderte Einsatzzeiten erst kurz vorher mitgeteilt. Der erforderliche Betreuungsschlüssel
konnte nicht immer garantiert werden. So betreute eine ausgebildete Mitarbeiterin mit einer Praktikantin hie und da zehn Kinder. Nicht verwunderlich: Das schlechte Arbeitsklima spiegelte sich in einer hohen Personalfluktuation. Gespräche über solche Unzulänglichkeiten blockte die Leiterin ab. Auch der Trägerverein
hielt sich bedeckt.


So entschlossen sich die Kinderbetreuerinnen mit Hilfe des VPOD, eine Beschwerde an die zuständige Aufsichtsbehörde zu richten, die einiges ins Rollen brachte. Die Kolleginnen fühlten sich aufgrund ihres Berufsethos verpflichtet, etwas gegen die Missstände in der Kita zu unternehmen, weil sie das
Kindeswohl in Gefahr sahen. Ihren Mut und ihr Engagement bezahlten sie postwendend mit der
Kündigung. Der VPOD gab jenen Mitgliedern rechtlichen und moralischen Beistand, die diese Kündigung anfochten.

Einspringerin lahmgelegt

In einem Fall ging es um Kollegin T., die regelmässig bei Ferienabwesenheiten und Krankheitsfällen einsprang. Während der ordentlichen Kündigungsfrist erhielt sie von der Leiterin keine Einsätze mehr, so dass sie
von einem Tag auf den andern ohne Einkommen dastand. Gegen diese Missachtung des Schutzgedankens der Kündigungsfrist konnte der VPOD erfolgreich vorgehen. Die entlassenen Mitarbeiterinnen waren bereit, sich auch öffentlich für ihr Anliegen einer professionellen und qualitativ guten Kinderbetreuung
mit ausreichend Fachpersonal einzusetzen. An einer Kundgebung vor Ort forderten sie mit einer Petition einen Neuanfang in der Kita mit einer neuen Leitung.

Auch der VPOD ist überzeugt: Familienergänzende Kinderbetreuung ist eine gesellschaftliche Aufgabe und muss mit genügend finanziellen Mitteln ausgestattet werden. Die Qualität der Kinderbetreuung hängt direkt von der Qualifikation und der Arbeitszufriedenheit des Personals ab. Gerade in ländlichen Regionen, wo Eltern weniger Alternativen zur Verfügung haben als in der Stadt, ist es wichtig, dass gute Rahmenbedingungen bestehen. Kinder sollen gerne in die Kita gehen und dort für ihr Leben wertvolle
und positive Erfahrungen machen können.