Untaugliche Knausereien einer Altersheim-AG

Dank dem VPOD erhielt T. nicht nur den Lohn für den letzten Arbeitsmonat, sondern auch die ausstehenden Anteile an der Ferienentschädigung und am 13. Monatslohn. Mit ihrem bockigen Verhalten schadete sich die Altersheim-AG letztlich selbst.

Aufgepasst bei sozialen Institutionen, die als Aktiengesellschaft organisiert sind! Auch wenn im Folgenden ein Einzelfall geschildert wird, fragt sich, ob im Hintergrund das Schielen nach Profit eine Rolle gespielt hat. Kollegin
T. arbeitete als ausgebildete Fachfrau Gesundheit in einem privat geführten, gewinnorientierten Altersheim. Ihr Arbeitspensum betrug durchschnittlich 60 Prozent. Der Bruttolohn lag bei 28 Franken pro Stunde, abzüglich aller
Sozialversicherungsbeiträge. Der Nachtdienst, der 11 Stunden dauerte, wurde mit einem Betrag von 270 Franken pauschal entschädigt. Zusätzlich wurde vereinbart, dass die Ferienentschädigung und der 13. Monatslohn jeden Monat anteilsmässig ausbezahlt würden. T. hatte eine zweimonatige Kündigungsfrist.
Termingerecht kündigte sie auf Ende Juli.


Vertrauensarzt bestätigt Diagnose

Obwohl sie sich zu diesem Zeitpunkt schon sehr krank fühlte, arbeitete sie noch einen Monat weiter und wurde dann für den letzten Arbeitsmonat krankgeschrieben. Trotz dem vorgelegten Arztzeugnis behauptete der
Heimleiter, T. sei nicht wirklich krank, sie sei an einem Stadtfest gesehen worden. Wegen angeblicher Arbeitsverweigerung zahlte er ihr den letzten Monatslohn nicht aus und schickte sie zum Vertrauensarzt des Altersheims. Dieser bestätigte die im Arztzeugnis gestellte Diagnose und erachtete eine Rückkehr an den
Arbeitsplatz als unzumutbar. Nun beschuldigte der Heimleiter seine Mitarbeiterin, sie sei während ihrer Krankheit einer Nebenerwerbstätigkeit nachgegangen. Deshalb stehe ihr der letzte Monatslohn nicht zu. Mitte November. Dreieinhalb Monate waren seit dem Ende der Anstellung ins Land gezogen, und T. hatte weder das ihr zustehende Gehalt noch ein Arbeitszeugnis erhalten. Der eingeschaltete VPOD-Vertrauensanwalt stellte
ein Schlichtungsgesuch an die Schlichtungsbehörde des Bezirks und listete detailliert auf, was der Arbeitgeber seiner früheren Angestellten schulde.

Kollegin T. schaltete den VPOD ein, als ihr Geld nicht kam. Gemäss Obligationenrecht hat der Arbeitgeber
bei unverschuldeter Arbeitsunfähigkeit des Arbeitnehmers für eine beschränkte Zeit eine Lohnfortzahlungspflicht. Bei T., die fast zwei Jahre angestellt gewesen war, betrage die Dauer gemäss der kantonalen Skala einen Monat. Folglich habe der Heimleiter T. den gesamten letzten Monatslohn auszubezahlen. Der Betrag
setze sich aus dem Durchschnittswert der letzten 12 Monate zusammen. Überdies habe sie häufig Nachtdienste übernommen, die pauschal, das heisst ohne Ferienentschädigung und ohne Anteil am 13. Monatslohn entlohnt worden waren. Die Heimverwaltung argumentierte, dass mit der Pauschalentschädigung
alle Vergütungen vollständig abgegolten seien. Doch der Anwalt zerpflückte diesen Punkt. Er rechnete vor: Die
Pauschalentschädigung von 270 Franken für einen Nachtdienst deckt bei einem Stundenlohn von 28 Franken lediglich 9,64 Stunden des 11 Stunden dauernden Nachtdiensts ab. Dies werde mit der Möglichkeit des Ausruhens und der reduzierten Arbeitsleistung gerechtfertigt und sei hinzunehmen. Aus dem Arbeitsvertrag
gehe aber nicht hervor, dass auch Anteile des Ferienlohns und des 13. Monatslohns vergütet
wurden. Die kämen dann noch dazu . . .


Wer andern eine Grube gräbt . . .

Zuletzt forderte der Anwalt ein Abschlusszeugnis, das auf der Grundlage des Zwischenzeugnisses
auszustellen sei. Dieses Zeugnis erhielt T. recht prompt. An der Schlichtungsverhandlung
musste nur noch das Finanzielle behandelt werden. Die Parteien vereinbarten, dass der Arbeitgeber den ausstehenden Nettolohn, die Ferienentschädigung und den Anteil am 13. Monatslohn bis Ende
Monat zu bezahlen habe. Der ausbezahlte Betrag war schliesslich höher, als wenn der Arbeitgeber
fristgerecht und ohne Aufhebens den letzten Monatslohn überwiesen hätte. So musste er auch
die Vergütungen nachzahlen, die im Arbeitsvertrag nicht genannt waren.

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