Restrukturierung im Bildungsbereich

Ein zweites Augenpaar (©inkje/photocase.de)

Eine Restrukturierung kostete die Lehrbeauftragte W. die Stelle. Schon über 50, blickte sie voll Sorge in eine unsichere Zukunft und erkrankte prompt. Dass der VPOD die finanzielle Abfindungsregelung kontrollierte, schuf Erleichterung.

Einer Bildungsinstitution werden die öffentlichen Aufträge für Deutschkurse entzogen.Im derzeitigen politischen Klima herrscht offensichtlich die Überzeugung vor, dass auchdas, was gut läuft, unentwegt hinterfragt und

umorganisiert werden muss. So werden die Kurse neuerdings ausgeschrieben und an einen möglicherweise günstigeren Anbieter vergeben. Ob bei der ganzen Übung tatsächlich Einsparungen gemacht werden, steht dann auf einem anderen Blatt geschrieben.

Neu erfundenes Rad?

Es soll hier nicht dem Stillstand das Wort geredet werden, doch das Rad wurde schon vor längerer Zeit erfunden. Und nicht jedes Mal rollt ein vermeintlich neu geschaffenes besser. Von den «Kollateralschäden» gibt der folgende Bericht eine Vorstellung. Weil die Deutschkurse wegfielen, war die Bildungseinrichtung nämlich gezwungen, einschneidende Restrukturierungsmassnahmen vorzunehmen. Und wo? Niemanden wundert’s, dass die Geschichte in erster Linie auf dem Rücken der angestellten Lehrpersonen ausgetragen wurde. Auch auf jenem von Kollegin W. Unter Einhaltung der dreimonatigen Kündigungsfrist wurde das Arbeitsverhältnis von Kollegin W. aufgelöst. Zwar gewährte der Sozialplan ihr eine Abfindungssumme. Trotzdem bedeutete diese vollkommen unverschuldete Kündigung für W., die bereits die 50 überschritten hatte, einen schweren Schlag. Zum einen, weil sie ihre Arbeit gerne versah: Viel Herzblut hatte sie in die Vorbereitung und Abhaltung der Kurse gesteckt; der Unterricht bei Migrantinnen und Migranten machte ihr Spass und verschaffte Befriedigung.

Zum zweiten kamen Existenzängste auf. Sie blickte in eine finanziell ungewisse Zukunft. Infolge des unverschuldeten Stellenverlusts irritiert und schliesslich erkrankt, war die Kollegin froh um eine zusätzliche Sicht auf ihre Abfindungsregelung. Der Boden unter ihren Füssen schien wegzubrechen. Und die Turbulenzen rund um die Kündigung waren für sie dermassen belastend, dass sie schwer erkrankte und zu100 Prozent arbeitsunfähig wurde. Gemäss Obligationenrecht bewirkt eine Krankheit einen Unterbruch der Kündigungsfrist von maximal 180 Tagen. In dieser Zeit hatte W. Anspruch auf Lohnfortzahlung. Statt der Auszahlung der Abfindung stand ihr aber auch die Möglichkeit offen, während der Abfindungsdauer zur gleichen Einreihung und mit dem gleichen Beschäftigungsgrad befristet angestellt zu bleiben. Aufgrund der Erkrankung war sie in dieser Zeit freigestellt.

Für eine Stellensuche bot ihr diese Variante eine deutlich bessere Ausgangslage.

Zweifel beseitigt

Es ging also alles seinen Gang: Die Leistungen der Versicherungskasse für das Staatspersonal wurden berechnet und mitgeteilt. W. wollte es aber genau wissen und sicher gehen, dass bei der Aushandlung finanziell alles richtig gelaufen sei. So stellte sie bei der VPOD-Rechtsschutzabteilung ein Gesuch zur Überprüfung aller Zahlen und Fakten. Nach dem Studium der Akten kam die VPOD-Vertrauensanwältin zum Schluss, dass in Bezug auf Lohnfortzahlung und Rente alles korrekt abgewickelt worden war. Das war eine grosse Erleichterung für Kollegin W. und half ihr, sich neu zu orientieren.