Arbeiten im Schweizer Gesundheitswesen

Fast 400'000 Personen arbeiten schweizweit im Gesundheitswesen. Erfahre mehr über diesen volkswirtschaftlich bedeutsamen Sektor.

Gesundheitsberufe

Die Arbeit im Gesundheitswesen ist anspruchsvoll und körperlich sowie psychisch belastend. Die Einführung von Wettbewerb und permanente kantonale Sparprogramme haben die Arbeitsbedingungen in den vergangenen Jahren zusätzlich unter Druck gesetzt. In der Konsequenz steigt heute fast die Hälfte des Gesundheitspersonals wieder aus dem Beruf aus, ein Armutszeugnis der Schweizer Gesundheitspolitik. Tatsächlich wären die Gewährleistung von attraktiveren Arbeitsbedingungen dringend notwendig, wird doch der Personalnotstand aufgrund der demographischen Entwicklung massiv zunehmen.

Trotz allem bleiben Gesundheitsberufe nach wie vor sehr attraktiv bei jungen Menschen bzw. bei jungen Frauen. So haben 2016 fast 4'100 Personen ihre Ausbildung als Fachfrauen und -männer Gesundheit FaGe abgeschlossen. Das sind über 200 Personen bzw. 5% mehr als im Vorjahr. Eine Zunahme gab es auch bei den Assistentinnen und Assistenten Gesundheit und Soziales AGS. Dort schlossen mit fast 900 Personen knapp 20% mehr ab als 2015.

Über 124'000 Personen arbeiteten 2014 in den Alters- und Pflegeheimen, davon zwei Drittel in der Pflege. 84% aller in diesem Bereich angestellten Personen sind weiblich. Bei der Spitex bzw. der ambulanten Langzeitpflege arbeiteten 2014 rund 43'500 Personen. Von den fast 19 Millionen geleisteten Arbeitsstunden entfielen über zwei Drittel auf die Pflege.

Über 320’000 Personen (BFS, Stand 2014) arbeiten im in einem Spital, einem Heim oder in einer Klinik. Davon sind 61 % in Spitälern und 39% in Alters- und Pflegeheimen tätig. Rund 196'000 Personen arbeiten in Schweizer Spitälern und Kliniken, davon 77% in den Allgemeinspitälern und 22% in den Spezialkliniken. 43% aller Angestellten in diesem Bereich arbeiten in der Pflege. 85% aller dort in der Pflege arbeitenden Personen sind weiblich. Obwohl die in der Pflege tätigen Personen 43% der Angestellten ausmachen, beträgt deren Lohnaufwand „nur“ 35% der gesamten Lohnkosten.

Langzeitpflege, Gratisbetreuung und Care-MigrantInnen

Die steigende Lebenserwartung gekoppelt mit der abnehmenden Bereitschaft der Frauen zu Gratisbetreuung von Angehörigen wird die Langzeitpflege vor grosse Herausforderungen stellen. Eine Folge dieser neuen Entwicklung ist die direkte Anstellung privater Pflegerinnen durch Privathaushalte. Es wird angenommen, dass zurzeit mehrere Tausende sogenannte Care-MigrantInnen zu teilweise prekären Bedingungen arbeiten. Leider ist es nahezu unmöglich, diese in der privaten Pflege tätigen Personen zu schützen, solange es keine flächendeckende Kollektivregelung in Form eines GAV gibt.

Institutionen im Gesundheitswesen

In der Schweiz gibt es knapp 290 Spitäler und Kliniken. Davon sind 37% Allgemeinspitäler, 17% psychiatrische Institutionen, 16% Rehakliniken und 29% Spezialkliniken (inkl. Geburtshäuser). Daneben gibt es landesweit rund 1575 Alters- und Pflegeheime und rund 560 gemeinnützige Spitexorganisationen für die ambulante Langzeitpflege. Letztere decken mit ihren 34’ 500 Angestellten 80% der ambulanten Langzeitpflege ab.


Sparwahn bedroht die öffentlichen Grundversorgung

Seit mehreren Jahren setzen die landesweiten Spar- und Privatisierungsprogramme die Löhne im Gesundheitswesen immer mehr unter Druck. So wurden laut der GAV-Statistik des BFS 2015 die Löhne in den Heimen mit 0.2% nur minim angehoben, im Gesundheitswesen wurde eine Lohnerhöhung von 0.5% gesprochen. Zudem zeichnet sich immer mehr der Trend hin zu mehr individuellen Lohnerhöhungen (fast 70% der Lohnerhöhung) ab. Damit will man dem zunehmenden Arbeitskräftemangel im Gesundheitswesen entgegenwirken.
Der permanente Effizienz- und Konkurrenzdruck sowie Sparprogramme in den Spitälern und Heimen führen dazu, dass sich die Arbeitsbedingungen generell zunehmend verschlechtern. So wird das Arbeiten im Gesundheitssektor immer prekärer und unattraktiver. Zudem führt die zunehmende Bürokratisierung der Gesundheitsberufe (Folge der Einführung der Fallpauschalen DRG) zu immer weniger Zeit für die eigentliche Betreuung von PatientInnen.

Die Berufe im Gesundheitswesen werden von jungen Leuten stark nachgefragt. Wir als VPOD sind deshalb auch in den Schulklassen unterwegs, um über Fragen zum Lohn und Arbeitsrecht zu informieren.
Mehr Informationen zu » Jugend und Ausbildung

In der Öffentlichkeit wird das Gesundheitswesen vor allem mit steigenden Kosten in Zusammenhang gebracht. Dabei wird zu wenig auf die eigentlich relevanten Fragen der Finanzierung eingegangen.
Mehr Informationen zur » Finanzierung des Schweizer Gesundheitswesen