Frauenrenten - Schluss mit dem Trauerspiel

Die Renten der Frauen in der Schweiz sind im Durchschnitt 37 Prozent tiefer als die der Männer. Das entspricht fast 20 000 Franken pro Jahr.

Sieht man nur die Einkünfte aus der zweiten Säule (Pensionskasse) an, sieht es noch trauriger aus: Die Renten sind dort bei den Frauen im Schnitt nur halb so hoch wie bei den Männern, und 38 % der Rentnerinnen haben gar keine Pensionskasse, sondern leben nur von der AHV. Die AHV ist daher ein echter Glücksfall für die Frauen, da dort auch die unbezahlte Familien- und Pflegearbeit berücksichtig wird. Einziger Haken: Die Renten reichen nicht zum Leben. Trotzdem soll mit dem Reformpaket „Altersvorsorge 2020“ das Frauenrentenalter erhöht werden. Das hat nichts mit Gleichstellung zu tun, sondern ist ein Sparprogramm auf dem Rücken der Frauen.

Deshalb wehren wir uns auch im Jahr 2016 gegen eine Erhöhung des Frauenrentenalters:

1. Tiefere Frauenlöhne = tiefe Renten
Frauen verdienen nach den neuesten Erhebungen im Durchschnitt 15.1 % weniger als Männer. Mehr als die Hälfte davon ist nicht erklärbar, also direkte Diskriminierung. Das entspricht bezogen auf eine Vollzeitarbeit um die 600 Franken im Monat. Die tieferen Löhne führen zu tieferen Renten. Im Laufe eines Arbeitslebens summiert sich das auf einen sechsstelligen Betrag, der bei der Rentenberechnung fehlt.

2. Kinderbetreuung in der Familie – überwiegend Frauensache
Auch wenn viele Väter sich heute mehr engagieren: in den allermeisten Haushalten mit kleinen Kindern sind vor allem die Frauen für die Kinderbetreuung zuständig. Etwa 63 % aller Frauen mit Kindern unter 14 Jahren haben eine Teilzeitstelle. Bei den Vätern sind es knapp 10 %, welche Teilzeit arbeiten. Teilzeitarbeit heisst für die Betroffenen, dass sie weniger verdienen und später niedrige Renten haben.

3. Frauen leisten den grössten Teil der unbezahlten Arbeit
Nicht nur in der Kinderbetreuung, auch sonst machen Frauen viel unbezahlte Pflege- und Betreuungsarbeit. Jede sechste Frau zwischen 55 und 64 betreut pflegebedürftige Verwandte oder Bekannte. Viele Frauen reduzieren dafür im Alter das Pensum ihrer Erwerbsarbeit. Sie verlieren dadurch Lohn und Beiträge in ihrer Pensionskasse, was zu tieferen Renten führt.

4. Frauen haben heute deutlich tiefere Renten
Die Rente aus der zweiten Säule (Pensionskasse) ist bei den Frauen im Schnitt nur halb so hoch wie bei den Männern. 38% der Rentnerinnen haben gar keine Pensionskasse, sondern leben nur von der AHV. Wer sein Leben lang in Familie und Beruf gearbeitet hat, muss von seiner Rente anständig leben können. Bisher ist das nicht der Fall. Daher braucht es eine Erhöhung der Renten, nicht des Rentenalters.

5. Der Arbeitsmarkt ist für ältere Menschen geschlossen
Ein Jahr vor dem ordentlichen Pensionsalter haben heute nur noch 41% der Frauen eine bezahlte Arbeit oder sind auf Stellensuche. Bei Frauen ohne gute Ausbildung sind es noch weniger. Viele müssen vorher aus dem Erwerbsleben aussteigen oder ihr Pensum reduzieren, um Angehörige zu pflegen. Danach finden sie kaum noch eine Stelle. Das heisst dann vorzeitige Pensionierung mit entsprechenden Rentenkürzungen.

6. Rentenalter 67 für Frauen und Männer: Nein danke!
Die Erhöhung des Frauenrentenalters soll den Boden bereiten für eine allgemeine Rentenaltererhöhung auf 67 Jahre. Die Arbeitgeberverbände machen bereits Werbung dafür. Dabei sind Stellen für ältere Arbeitnehmende rar, und Personen über 55 Jahren haben die grösste Mühe, noch eine Arbeitsstelle zu finden. Wer nichts findet, muss bis zur Pensionierung von Arbeitslosengeld und Sozialhilfe leben und Rentenkürzungen in Kauf nehmen.

7. Keine Sparprogramme auf dem Rücken der Frauen!
Die AHV braucht zusätzliche Finanzen, darüber herrscht eine gewisse Einigkeit. Aber die Finanzierung darf nicht auf Kosten der Wenigverdienenden gehen. Die Reform „Altersvorsorge 2020“ sieht vor, dass die Erhöhung des Frauenrentenalters zusammen mit den Kürzungen bei der Witwenrente 1.5 Milliarden Franken in die Kassen bringen soll, ohne dass die Frauen eine Gegenleistung dafür erhalten oder die AHV-Renten erhöht würden. Es soll also auf dem Rücken der Frauen gespart werden.

8. Faule Tauschgeschäfte - nicht mir uns!
Die berufliche Vorsorge bei Teilzeitarbeit muss verbessert werden. Der Koordinationsabzug bei der Pensionskasse diskriminiert Frauen und muss daher weg, das ist klar. Allerdings zahlt sich eine Abschaffung des Koordinationsabzugs nur für jüngere Frauen aus, die am Anfang des Arbeitslebens stehen. Die Rentnerinnen der kommenden Jahre haben nichts mehr davon. Eine Verbesserung für jüngere Frauen als Ausgleich für eine Verschlechterung bei den älteren? Ein faules Tauschgeschäft auf dem Rücken der Frauen!

9. Gleichstellung Ja – aber keine Verschlechterung für die Frauen!
Wenn die Gleichstellung vorankommen soll, dann müssen die Hindernisse für Frauen beseitigt werden: Zu teure Kinderbetreuung, fehlende Infrastrukturen für Pflegebedürftige, fehlender Elternurlaub, Eintrittsschwelle bei der Pensionskasse, diskriminierende Löhne, Geringschätzung von Betreuungsberufen – hier gibt es zahlreiche Möglichkeiten, die Gleichstellung durch Verbesserungen zu fördern. Ein höheres Rentenalter für Frauen gehört nicht dazu – im Gegenteil: Es baut ein weiteres Hindernis auf.

Daher lehnen wir die Erhöhung des Frauenrentenalters ab. Eine Erhöhung hat nichts mit Gleichstellung zu tun, sondern ist ein Sparprogramm auf dem Rücken der Frauen!