FaGe sind engagiert, auch im ABU-Unterricht!

Fachfrauen und -männer Gesundheit sind stille SchafferInnen. Für eine gute Pflegequalität ihrer PatientInnen nehmen sie widrige Arbeitsbedingungen oftmals stillschweigend in Kauf. Doch der Schein trügt. Im ABU-Unterricht zeigen sie sich kämpferisch.

von Fabio Höhener

Die Studierenden wissen noch nicht so recht, was sie heute erwarten wird. Ihr Allgemeinbildungslehrer hat ihnen versprochen, dass heute die womöglich wichtigste Lektion der gesamten Berufsschullaufbahn bevorsteht. Schliesslich sei ein Mann von der Gewerkschaft zu Gast. Vorsorglich werden auf den Tischen die dicken Schulordner durch Energy-Drinks und allerlei Snacks ersetzt. Unter den Tischen werden noch die letzten SMS abgeschickt und Statusmeldungen aktualisiert. Von einer Gewerkschaft haben viele noch nie gehört und was das mit ihrer Arbeitswelt zu tun hat, können sie sich nicht so recht erklären. Bis zum Ende der Lektion soll sich das ändern.

„Was würdet ihr euch in der Arbeitswelt nicht gefallen lassen?“, frage ich in die grosse Runde. Einen Wimpernschlag später, streckt die erste Studierende ihren Arm in die Höhe. Kurz darauf folgen viele ihrem Beispiel. Fachfrauen und –männer wissen was in ihren Betrieben nicht rund läuft. Es lässt sie auch nicht kalt. Sie berichten frei und engagiert über ihre persönlichen Erfahrungen und erkennen, dass viele KollegInnen mit denselben Problemen konfrontiert sind. Doch was kann man gegen Mobbing, ungerechtfertigte Überstunden und Sonntagsarbeit tun? „Organisiert euch!“, ist die logische Antwort. Doch eine Fachfrau bleibt skeptisch. Sie will wissen, wie lange es den vpod denn schon gäbe. Auf meine Antwort, dass die Geschichte des vpod schon über hundert Jahre zurückreicht, zieht sie ungläubig eine Augenbraue hoch und fragt: „Warum kommt ihr dann erst jetzt zu uns?“