Deine Rechte in der Ausbildung

Lerne deine Rechte kennen: dein Lexikon Arbeitsrecht

Hier findest du Antworten auf häufige Fragen rund ums Arbeitsrecht. Das Lexikon Arbeitsrecht wird stetig überarbeitet. Es lohnt sich also, immer wieder einmal vorbeizuschauen. Wenn du mehr wissen willst, melde dich bei deinem » VPOD-Regionalsekretariat.

Absenzen

Abzüge

Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz

Arbeitszeit und Ruhezeit während der Berufsausbildung

Arbeitszeugnisse

Berufsfremde Arbeit

Betriebsferien

Feiertage

Ferien

Gesamtarbeitsvertrag (GAV)

Jugendurlaub

Krankheit

Kündigung

Lohn

Lohnabzüge

Minusstunden

Mobbing und Persönlichkeitsschutz

Pausen

Überstunden


Absenzen
Absenzen müssen begründet werden. Als Gründe gelten ohne Lohnabzug Krankheit, Unfall, Militärdienst, gerichtliche Vorladungen, Aufgebote von Behörden und wichtige Ereignisse in der Familie. Doch der Betrieb kann ein vorheriges Gesuch verlangen. Bei Krankheit oder Unfall genügt für die ersten beiden Tage eine Entschuldigung, ab dem dritten Tag können der Betrieb und die Berufsfachschule ein Arztzeugnis verlangen. Während der Arbeitszeit müssen Besuche beim Arzt, Zahnarzt und anderen Gesundheitsfachpersonen bewilligt werden. Der Betrieb kann verlangen, dass die Absenz auf eine Randstunde fällt. Als unentschuldigte Absenz gilt Unpünktlichkeit, für die es keine Gründe wie zum Beispiel Verspätungen im öffentlichen Verkehr gibt. Für unbegründete Absenzen kann der Betrieb Lohnabzüge machen und, wenn sie häufig sind, die Auflösung des Lehrvertrags verlangen. In der Berufsfachschule regelt die Disziplinarordnung die Bestrafung für unbegründete Absenzen. Möglich sind Verweise, Bussen und Arbeitsleistungen in der Freizeit.

-> OR 324, 324a

Abzüge
Mit der Volljährigkeit verändert sich die Lohnabrechnung. Der Lehrbetrieb muss ab 1. Januar des 18. Lebensjahres von deinem Bruttolohn für die AHV, IV, EO und für die Arbeitslosenversicherung (ALV) Beiträge abziehen. Bei einem Jahresverdienst von mehr als 20‘880 Franken müssen auch Beiträge an die berufliche Vorsorge (BVG) bezahlt werden. Die Abzüge bezahlen je zur Hälfte der Betrieb und die Lernenden. Sie sind im Lohnausweis aufgeführt. Neben diesen obligatorischen Abzügen kann der Betrieb auch Prämien für die Krankentaggeldversicherung, Berufsbeiträge usw. abziehen. Solche Abzüge müssen aber im Lehrvertrag oder im Gesamtarbeitsvertrag für deinen Beruf geregelt sein. Die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren RAV oder die Gewerkschaften informieren über die Höhe der Abzüge.

-> OR 323a

Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz
Das Gesetz schreibt dem Lehrbetrieb vor, dass er Rücksicht auf die Sicherheit und Gesundheit der Arbeitnehmerinnen nimmt. Er muss dafür Massnahmen ergreifen und Vorschriften befolgen. Dazu gehören besondere Schutzmassnahmen im Betrieb, wie ergonomische Einrichtungen, Vorschriften zum Rauchen. Für Tätigkeiten, die gemäss Jugendschutzverordnung für Jugendliche verboten, aber für das Erlernen des Berufs nötig sind, gelten besondere Schutzmassnahmen. Sie müssen im Bildungsplan umschrieben sein. Wenn du an deinem Arbeitsplatz gesundheitsschädigende oder gefährliche Mängel feststellst, informiere die Ausbildungsberaterin. Werden die Risiken nicht beseitigt, sollte das Arbeitsinspektorat oder die Gewerkschaft informiert werden.

-> OR 328 / ArG 6 und ArGV 3 und 5 / UVG 82

» www.suva.ch» www.suva.ch

Arbeitszeit und Ruhezeit während der Berufsausbildung
Die Arbeitszeit darf nicht mehr als neun Stunden dauern und mit den Pausen 12 Stunden pro Tag nicht überschreiten. Auch der Besuch der Berufsfachschule gilt als Arbeitszeit. Jugendliche bis zum 18. Altersjahr unterstehen dem gesetzlichen Jugendschutz. Sie dürfen mit der Arbeit erst nach 6 Uhr am Morgen beginnen und die Arbeit muss spätestens um 22 Uhr enden. Abendarbeit ist aber nur erlaubt, wenn für den ganzen Betrieb unübliche Arbeitszeiten gelten. Während der Grundbildung darf der Betrieb von dir keine Überzeit, d.h. mehr als die gesetzlich festgelegte Arbeitszeit im Betrieb, verlangen – ausser in einer Notsituation. Generell dürfen Jugendliche unter 16 Jahren keine Überzeiten leisten. Überzeit muss mit Zeit- und Lohnzuschlägen kompensiert werden. Für Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr ist es verboten, nachts und am Sonntag zu arbeiten. Für Lernende, die ohne Sonntags- oder Nachtarbeit die Ziele der Ausbildung nicht erreichen können, gelten Ausnahmebewilligungen.

-> ArG 29, 31 / ArGV 5, 9-13

» www.arbeitsbedingungen.ch

Arbeitszeugnisse
Nach dem Abschluss der Grundbildung muss die Berufsbildnerin ein Arbeitszeugnis oder eine Arbeitsbestätigung ausstellen. Ein Arbeitszeugnis enthält: Personalien der Arbeitnehmerin, Name und Adresse des Betriebs, Dauer der Anstellung, eine vollständige Beschreibung der Aufgaben und Pflichten. Später müssen darin auch die genaue Funktionsbezeichnung, Beförderungen und Versetzungen mit jeweiligem Datum eingetragen sein. Im persönlich abgefassten Arbeitszeugnis werden auch Fähigkeiten, Arbeitsleistungen, das Verhalten im Team und gegenüber Vorgesetzten beurteilt. Die Arbeitgeberin ist verpflichtet, das Zeugnis wahrheitsgemäss aber wohlwollend zu verfassen. Das Zeugnis darf keine versteckten Botschaften oder Angaben zu Gesundheit, Absenzen und Privatleben enthalten. Wenn du mit dem Zeugnis nicht einverstanden bist, kannst du eine Korrektur verlangen oder dich mit einer Arbeitsbestätigung zufrieden geben. Die Arbeitsbestätigung enthält nur Angaben zur Anstellungsdauer und

zur Position bzw. zu erfolgten Beförderungen. Das Arbeitszeugnis ist ein wichtiger Teil der Stellenbewerbung. Wenn du nur eine Arbeitsbestätigung beilegst, kann das negativ bewertet werden.

-> OR 330a und 346a

Berufsfremd
Der Lehrbetrieb darf Lernende nur dann für berufsfremde Arbeiten einsetzen, wenn diese einen Zusammenhang mit der Ausbildung haben. Auf keinen Fall sollen sie die vorgeschriebene Ausbildung behindern. Als berufsfremde Arbeiten gelten zum Beispiel Putzen, Kaffee holen, das Erledigen von persönlichen Einkäufen für Vorgesetzte. Die Regel ist, dass du dafür nicht häufiger eingesetzt werden darfst als andere Mitarbeitende. Auch Hilfsarbeiten wie Kopieren oder Archivieren dürfen nicht zu oft verlangt werden. Wenn du dir ausgenutzt vorkommst, solltest du mit der Berufsbildnerin reden. Ändert sich nichts, kannst du dich an das Berufsbildungsamt oder an die Gewerkschaft wenden.

-> OR 345a / BBG 14

Betriebsferien
Der Betrieb kann von den Arbeitnehmerinnen verlangen, dass sie während einer vorgeschriebenen Zeit Ferien machen. Lernende sollen ihre Ferien allerdings während der Schulferien beziehen können, denn der Besuch der Berufsfachschule ist obligatorisch. Du hast das Recht, dass du mindestens zwei Wochen Ferien im Jahr zusammenhängend machen kannst. In vielen Betrieben gibt es eine Ferienregelung. Über die Betriebskommission können Arbeitnehmerinnen Vorschläge für Veränderungen dieser Regelung einreichen.

-> OR 329c

Feiertage
In der Schweiz gibt es eidgenössische, kantonale und lokale Feiertage. An den gesetzlich geregelten Feiertagen, zu denen neben bestimmten kirchlichen auch der 1. August gehört, muss dir der Betrieb frei geben. Für Ausnahmen braucht er eine Bewilligung der zuständigen Behörde. Bei einer Teilzeitanstellung müssen Feiertage nur dann kompensiert werden, wenn sie auf Arbeitszeiten fallen, einzig für den 1. August gilt eine Kompensationspflicht. In den Gesamtarbeitsverträgen (GAV) ist die Lohn- fortzahlung für alle Feiertage und der Lohnzuschlag für die Arbeit während der Feiertage geregelt. Auskunft geben die Gewerkschaften.

-> OR 329

Ferien
Jugendliche haben bis zum vollendeten 20. Altersjahr Anspruch auf mindestens fünf Wochen Ferien. Es ist natürlich von Vorteil, wenn sie in die schulfreie Zeit fallen. Deshalb ist eine frühzeitige Absprache mit der Berufsbildnerin im Lehrbetrieb wichtig. Die Arbeitgeberin bestimmt den Zeitpunkt, darf diesen aber nach der Bewilligung nicht mehr widerrufen. Mindestens zwei Wochen Ferien musst du zusammenhängend beziehen können. Einige Gesamtarbeitsverträge sehen für Jugendliche mehr als fünf Wochen Ferien vor. Jugendurlaub gilt nicht als Ferien. Die Gewerkschaften fordern, dass im Arbeitsgesetz eine gesetzliche Regelung von mindestens sieben Wochen Ferien für Jugendliche festgelegt wird. Ferien dürfen nicht ausbezahlt werden. In den meisten Betrieben wird ein Ferienplan festgelegt, der verbindlich ist. Wenn du während der Ferien krank wirst, musst du ein Arztzeugnis haben, damit dir die Krankheitstage nicht als Ferien verrechnet werden. Der Betrieb hat das Recht, deine Ferien nach zwei Monaten Abwesenheit wegen Krankheit, Unfall oder Militärdienst um einen Zwölftel zu kürzen und für jeden zusätzlichen Monat um einen weiteren Zwölftel. Eine Kürzung wegen Schwangerschaft und Mutterschaft ist nicht erlaubt.

-> OR 329a-c und 345a

Gesamtarbeitsvertrag (GAV)
Der Gesamtarbeitsvertrag gilt für die Arbeitnehmerinnen eines bestimmten Berufs- oder eines Wirtschaftsbereichs. Der GAV wird von den Sozialpartnern (Gewerkschaft und Arbeitgeberorganisation) ausgehandelt und ist national oder kantonal gültig. Im GAV sind Arbeitszeit, Ferien, Bildungsurlaub, Lohn, Rechte und Pflichten, Mitsprache usw. geregelt. Wo keine Gesamtarbeitsverträge bestehen, kann der Kanton zum Schutz der Arbeitnehmerinnen Normalarbeitsverträge mit Mindestlohnvorschriften erlassen. Die Gewerkschaften verlangen, dass Lernende wie die anderen Beschäftigten dem GAV unterstellt sind. Diese Forderung ist noch nicht in allen GAV erfüllt, doch einige enthalten spezielle Vereinbarungen für Lernende. Wenn die Lernenden vom GAV ausgeschlossen sind, gelten die gesetzlichen Bestimmungen. Informationen erhältst du bei der Betriebskommission im Lehrbetrieb oder bei der Gewerkschaft. Ein nicht allgemein verbindlicher GAV gilt grundsätzlich nur für die Mitglieder seiner Vertragsparteien: Nur die Gewerkschaftsmitglieder können sich also auf die Bestimmungen des GAV berufen. Ein allgemeinverbindlich erklärter GAV (AVE GAV) gilt hingegen für alle Arbeitnehmerinnen der betroffenen Branche oder Region.

-> OR 356-362

Jugendurlaub
Wenn du in einer sozialen oder kulturellen Organisation mitarbeitest, hast du das Recht, dafür jedes Jahr eine Woche Jugendurlaub zu beziehen. Der Urlaub wird für die Leitung oder Betreuung von Veranstaltungen, Lagern, Kursen oder für die eigene Weiterbildung in Freiwilligenarbeit gewährt. Er kann von allen Arbeitnehmerinnen bis zum 30. Altersjahr bezogen werden. Wenn du den Jugendurlaub im Lehrbetrieb mindestens zwei Monate vor Beginn anmeldest, muss er dir dafür freigeben. Du hast aber kein Recht auf Lohn während des Urlaubs, ausser für Leiterkurse von Jugend und Sport (J+S). In einigen GAV ist eine Lohnfortzahlung vereinbart worden. Informationen und spezielle Formulare für die Anmeldung des Jugendurlaubs findest du im Internet.

-> OR 329e

» www.jugendurlaub.ch

Krankheit
Bei Krankheit zahlt die Krankenversicherung die Pflegekosten, nicht aber den Lohnausfall. Ohne eine spezielle Regelung muss der Betrieb nur das gesetzliche Minimum leisten. Das bedeutet, dass er im ersten Lehrjahr für drei Wochen den Lohn weiter bezahlt, nachher gelten kantonal unterschiedliche Regelungen. Viele Betriebe schliessen eine Krankentaggeldversicherung ab, die längere Lohnfortzahlungen leistet. Für diese Versicherung können sie einen Prämienbeitrag vom Lohn abziehen. Die geltende Regelung und der Lohnabzug sind im Lehrvertrag beschrieben. Auch die GAV enthalten Vereinbarungen über die Lohnfortzahlung bei Krankheit. Informationen, was in deinem Beruf und deinem Kanton üblich ist, und welche Prämienbeiträge beim Lohn abgezogen werden dürfen, erhältst du bei der Gewerkschaft oder beim Berufsbildungsamt. Wenn du nach dem Lehrabschluss vorübergehend einen Job annimmst, bist du in den ersten drei Monaten nicht gegen Krankheit versichert. Viele Firmen schliessen eine kollektive Krankentaggeldversicherung ab, die in der Regel 80 bis 100 Prozent des Lohnes für 720 Tage innerhalb von 900 Tagen deckt. Als

Frau solltest du prüfen, ob diese Leistungen auch bei Schwangerschaft gelten.

-> OR 324a und 344a, 5

Kündigung
Während der Ausbildung kann dir der Lehrbetrieb nur bei schwerwiegenden Gründen künden. Wenn der Betrieb aus wirtschaftlichen Gründen schliessen muss, gilt die gesetzliche Kündigungsfrist. Arbeitest du nach dem Lehrabschluss im selben Betrieb weiter, wird die Grundbildung bei der Berechnung der Kündigungsfrist dazugezählt. Die Kündigungsregelungen für Arbeitnehmerinnen findest du im OR. Nach der Probezeit beträgt die Kündigungsfrist für Arbeitnehmerin und Arbeitgeberin, wenn nichts anderes im Vertrag steht, im ersten Dienstjahr einen Monat, vom zweiten bis neunten Dienstjahr zwei Monate, nachher drei Monate. Im OR ist auch festgehalten, wann Kündigungen missbräuchlich oder diskriminierend sind und wie lange der Kündigungsschutz bei Krankheit, Mutterschaft oder Militärdienst dauert.

Lohn
Der Lohn ist im Lehrvertrag festgelegt. Es gibt keinen gesetzlich vorgeschriebenen Lohn für Lernende. Im Internetportal der Gewerkschaftsjugend findest du Lohnempfehlungen und Informationen zum Lohn. Nicht erlaubt sind während der Grundbildung Lohnzahlungen in Form von Akkordlohn oder flexiblen Leistungslöhnen mit Boni. Viele Berufsverbände legen Richtlinien zu Mindestlöhnen für Lernende fest, die aber für den Lehrbetrieb nicht verpflichtend sind. Hingegen muss er Lohnregelungen des Gesamtarbeitsvertrags einhalten. Als Naturallohn kann er Kost und Logis verrechnen. Lernende haben kein Anrecht darauf, dass sie wie die anderen Beschäftigten im Betrieb am Jahresende Lohnerhöhungen oder den Teuerungsaus- gleich erhalten. Bezahlt werden muss nur der vertraglich festgelegte Lohn. Das gilt auch für den 13. Monatslohn. Die Gewerkschaft setzt sich dafür ein, dass er allen Lernenden bezahlt wird. Wenn du mehr Lohn erhältst, als im Vertrag steht, gilt der höhere Lohn automatisch als Vertragslohn und darf nur mit deiner Einwilligung wieder gesenkt werden.

-> OR 322-324, 329d und 344a, 2

Lohnabzüge
Der Lehrbetrieb darf nur Lohnabzüge machen, die im Lehrvertrag festgelegt sind. Nicht erlaubt sind Abzüge für den Besuch der Berufsfachschule, der Freikurse und der überbetrieblichen Kurse. Er kann dir auch dann den Lohn nicht kürzen, wenn deine Leistungen schlecht sind, du viele Krankheitsabsenzen hast oder er mit deinem Auftreten nicht einverstanden ist, zum Beispiel mit der Frisur, einem Piercing oder der Kleidung. Abzüge sind nur erlaubt, wenn du unentschuldigt nicht zur Arbeit kommst oder dem Betrieb absichtlich einen Schaden zufügst. Bei Uneinigkeit muss das Arbeitsgericht entscheiden, ob und um wie viel der Betrieb den Lohn kürzen darf.

-> OR 321e / BBG 22, 2-3 / BBV 21, 3

Minusstunden
Was, wenn während der Lehre Minusstunden angehäuft werden wegen Arbeitsplänen, auf die die Betroffenen keinen Einfluss haben? Dürfen Arbeitgeber verlangen, dass die Minusstunden am Ende der FaGe-Ausbildung nachgeholt werden oder einen entsprechenden Lohnabzug vornehmen? Die Antwort lautet bei privatrechtlicher Anstellung: Nein. Arbeitnehmer müssen die vereinbarte Arbeitszeit einhalten. Kann der Arbeitgeber aber nicht genügend Arbeit zuweisen, hat der Arbeitnehmer trotz der unfreiwilligen Arbeitspause den vertraglichen Lohn weiterhin zugute. Es ist nicht zulässig, Jahre später darauf zu bestehen, die ausgefallene Zeit nacharbeiten. Angestellte mit fester Arbeitszeit können bei Betriebsflaute nicht einfach unbezahlt nach Hause geschickt werden. Sie können auch nicht gezwungen werden, kurzfristig stunden- oder tageweise Ferien zu beziehen. In solchen Fällen empfiehlt es sich, schriftlich Einwand zu erheben und seine Arbeitskraft ausdrücklich anzubieten. Es empfiehlt sich, sich im Zweifelfall an den vpod zu wenden für eine situationsgenaue Beratung

Mobbing und Persönlichkeitsschutz
Mobbing kann im Lehrbetrieb oder in der Berufsfachschule vorkommen. Das Wort kommt vom Englischen «to mob» und heisst anpöbeln, schikanieren. Auch sexistische Bemerkungen und Belästigungen können eine Form von Mobbing sein. Wenn du im Lehrbetrieb von einem Vorgesetzten oder einem andern Beschäftigten gemobbt wirst, wende dich an die Berufsbildnerin, an die Betriebskommission oder an die Ausbildungsberaterin des Berufsbildungsamtes. In den meisten Berufsfachschulen gibt es eine Anlaufstelle für Konfliktlösung. Unterstützung bieten auch Beratungsstellen, die auf Mobbing spezialisiert sind. Im Internet findest du Informationen, wie du dich bei Mobbing verhalten sollst und wo du in deiner Region Beratung erhältst. Ein besonderer Schutz vor Mobbing ist gefragt, wenn Mitarbeiterinnen Missstände im Sinne von rechtlich unkorrektem und kriminellem Handeln im Betrieb öffentlich machen. Eine solche Offenlegung wird als Whistleblowing bezeichnet. In der laufenden Reform des Obligationenrechts sollen rechtliche Schutzmassnahmen für Whistleblower definiert werden.

» www.mobbing-zentrale.ch

» http://mobbing.net

Pausen
Während des Arbeitstages im Lehrbetrieb hast du ein Recht auf Pausen. Bei einem Arbeitstag von fünfeinhalb Stunden muss die Pause mindestens 15 Minuten, bei sieben Stunden 30 Minuten und bei 9 Stunden 60 Minuten dauern. Die Mittagspause sollte aus gesundheitlichen Gründen nicht weniger als 45 Minuten dauern. Wenn du währendder Pause den Arbeitsplatz nicht verlassen kannst, gilt sie als Arbeitszeit.

-> ArG 15 / ArGV1,18

Überstunden
Überstunden nennt man geleistete Arbeitszeit, welche die vertraglich vereinbarte überschreitet. Hingegen Überzeit bezieht sich auf die gesetzlich vorgeschriebene Arbeitszeit. Der Lehrbetrieb kann von Lernenden Überstunden verlangen. Zusammen mit den Überstunden darf die Höchstarbeitszeit pro Tag aber nicht mehr als neun Stunden betragen, mit Pausen dürfen 12 Stunden nicht überschritten werden. Wenn am selben Tag noch Unterricht an der Berufsfachschule stattfindet, muss diese Zeit angerechnet werden. Für Überstunden steht dir generell ein Lohnzuschlag von mindestens 25 Prozent zu. In den GAV sind oft günstigere Überstundenzuschläge vereinbart, die auch für Lernende gelten. In einigen Betrieben erhalten Lernende für Überstunden einen Lohn, der dem Mindestlohn entspricht, da ja Überstunden nicht zur Ausbildung gehören. Überstunden können aber auch mit Freizeit kompensiert werden. Diese Kompensation ist die bessere Lösung als der Überstundenzuschlag auf dem geringen Lohn für Lernende. Nicht erlaubt ist, dass du zur Strafe Überstunden machen musst. Wenn du häufig Überstunden leisten musst, informiere die Ausbildungsberaterin.

-> OR 321c

» www.ueberstunden.ch