Gesundheitsberufe: Aufwertung und Anerkennung der Gesundheitsberufe jetzt!

Niemals wurden die Leistungen des Gesundheitspersonals deutlicher wahrgenommen als während der Corona-Krise.

Sie alle standen während der vergangenen Wochen im Fokus von Politik, Öffentlichkeit und Medien: Pflegehelferinnen im Einsatz in Alters- und Pflegeheimen, Anästhesieschwestern, welche in kürzester Zeit zu Expertinnen in der Intensivpflege wurden, FaGe in der ambulanten Pflege oder Frauen in Reinigung und Hotellerie, die maximale Hygiene und Sauberkeit gewährleisteten und sich um das leibliche Wohl aller kümmerten.

Rund ¾ des Gesundheitspersonals sind weiblich, in der Langzeitpflege und -betreuung liegt der Anteil von Frauen sogar deutlich über 80 Prozent. Viele dieser Frauen waren in den vergangenen Wochen unermüdlich im Einsatz, haben ihre Gesundheit riskiert, Überstunden geleistet und noch längere Arbeitstage gestemmt als sonst, dies alles teilweise ohne genügend Schutzmaterial. Der massiven Belastung in den vergangenen Wochen muss mit einer Entschädigung Rechnung getragen werden. Es wäre ein erster Schritt in Richtung Aufwertung der Gesundheitsberufe.

Enough is enough

Die Gesundheitsberufe sind systemrelevant. Nur: Was ist uns diese Tatsache wert und welche Konsequenzen ziehen Politik und Arbeitgeber daraus? Die Debatten zur Gesundheitspolitik drehen sich seit Jahren um ein Thema: die Kosten. Die Einführung von Wettbewerb bzw. der Fallpauschalen hätte diese Kosten senken sollen, passiert ist stattdessen, dass massiv auf dem Buckel des Gesundheitspersonals gespart wurde und die Kosten trotzdem weiterhin ansteigen. Zu den Folgen dieser verfehlten Gesundheitspolitik gehören eine bedenklich hohe Berufsausstiegsquote von fast 50 Prozent und eine sehr tiefe durchschnittliche Verweildauer im Beruf. Beides trägt zum teilweise dramatischen Personalmangel im Gesundheitsbereich bei. Immer stärker verdichtete Arbeitsabläufe und eine zunehmende Bürokratisierung prägen schon lange den Berufsalltag. Die Pflegenden verbringen immer mehr Zeit am Computer statt das zu tun, wofür sie ausgebildet wurden: Menschen heilen und versorgen.

Diese bedenkliche Entwicklung kann nur durch eine konsequente und sofortige Aufwertung aller Gesundheitsberufe gestoppt werden. Besonders jetzt erwarten alle diese Berufsgruppen, dass in den kommenden Jahren endlich in ihren Bereich investiert wird, insbesondere in Aus- und Weiterbildungen sowie Löhne. Bessere Lösungen braucht es aber auch bei den Renten und bezüglich der Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben.

Wir fordern:

Höhere Löhne und frauenfreundlichere Arbeitsbedingungen. Generell braucht es dringende Massnahmen gegen Berufsausstieg und Personalmangel.

  • Wir fordern eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben bzw. Arbeitsbedingungen, die den Lebensentwürfen des vorwiegend weiblichen Gesundheitspersonals gerecht werden. Dazu gehören eine deutliche Herabsetzung der wöchentlichen Arbeitszeit sowie fixe freie Tage für alle.
  • Wir lieben unseren Beruf und möchten ihn gemäss unserer Berufsethik ausüben. Allerdings sind die regelmässigen physischen und psychischen Belastungen eine grosse gesundheitliche Herausforderung. Deshalb fordern wir die volle Rente mit 60.
  • Konsequenter Gesundheitsschutz: Das Personal muss vor körperlicher und psychischer Überbelastung geschützt werden. Deshalb muss die Einhaltung des Arbeitsgesetzes endlich vollumfänglich gewährleistet werden.

Gesundheitsinstitutionen erhalten künftig nur dann staatliche Beiträge, wenn sie sich mindestens an die öffentlich-rechtlichen Arbeitsbedingungen, an das Arbeitsgesetz und an die durch die Kantone festgelegten Richtlinien für Ausbildung und Personaldotation halten.

Diese Forderungen entstammen der VPOD-Charta für das Gesundheitspersonal. Sie wurden auch am grossen Frauenstreik vom Juni 2019 gestellt. Ein weiteres Jahr liessen Politik und Arbeitgeber seither tatenlos verstreichen. Wie lange wollen wir uns dies noch gefallen lassen?

Nur wenn wir uns organisieren und zusammen für bessere Arbeitsbedingungen und Löhne einstehen, werden sich Politik und Wirtschaft in die richtige Richtung bewegen.

Downloads
08.06.2020Charta GesundheitspersonalPDF (111 kB)
Downloads
08.06.2020Dossier - 14.Juni 2020 GesundheitsbereichPDF (107 kB)