Ja zum Vaterschaftsurlaub

Für uns ist klar: ein Nein zu diesem Urläubchen ist nichts anderes als frauenfeindlich. ubs

Regelmässig belegt die Schweiz auf internationalen Ranglisten zur Gleichstellung der Geschlechter die hinteren Ränge. Einer der Gründe für diese schlechte Platzierung ist das Fehlen einer Elternzeit- oder wenigstens eines Vaterschaftsurla

Geht es nach dem Bundesrat, so soll mit der Abstimmung vom 27. September zumindest ein Vaterschaftsurläubchen von 10 Tagen geschaffen werden.

Am Anfang der Diskussion stand die Initiative von Travail.Suisse für einen Vaterschaftsurlaub. Dieser sah 4 Wochen Vaterschaftsurlaub vor, wurde aber letzten Herbst zurückgezogen, nachdem das Parlament in seiner Beratung einen indirekten Gegenvorschlag von zwei Wochen beschlossen hatte. Weil innerhalb der Referendumsfrist noch ein Referendum aus mutigen SVP- und radikal-libertären Kreisen zusammengekommen ist, darf die Stimmbevölkerung am 27. September darüber abstimmen.

Für uns ist klar: ein Nein zu diesem Urläubchen ist nichts anderes als frauenfeindlich. Denn diese ersten 10 Tage Vaterschaftsurlaub sind in erster Linie zur Entlastung der Mütter, die sich nach immer kürzeren Spitalaufenthalten von der Geburt erholen müssen und daher zuhause auf Hilfe und Unterstützung angewiesen sind. Sicher: auch 10 Tage Vaterschaftsurlaub können einen Beitrag leisten, dass Vater und Kind eine Beziehung aufbauen und die Sorge auch später geteilt werden kann. Es ist aber auch klar, dass zwei Wochen für vieles schlicht zu kurz sind und bei weitem nicht alle Probleme lösen.

Finanziert wird der Vaterschaftsurlaub über die Erwerbsersatzordnung. Die Kosten pro Jahr belaufen sich auf 230 Millionen und werden hälftig von Arbeitgeber und Arbeitnehmenden finanziert. Dazu wird der EO-Beitrag von 0.45 auf 0.5% angehoben. Auf die Medianlöhne gerechnet heisst dies: tiefe Löhne bezahlen rund 13.50 Franken pro Jahr für einen Vaterschaftsurlaub, höhere Löhne rund 20 Franken. Also eine verkraftbare Massnahme. Und natürlich ist der Vaterschaftsurlaub auch KMU-freundlich: weil er gleichlange Spiesse schafft über eine solidarische Finanzierung und sich so eben nicht nur die grossen Unternehmen einen Urlaub leisten.

Die Gegner lehnen den Vaterschaftsurlaub aus verschiedenen Gründen ab, das Kostenargument ist eines. Vielmehr fürchten sie die Einführung eines Vaterschaftsurlaubs aber, weil sie ihn als Einfallstor für eine mögliche Elternzeit verstehen. Aus unserer Sicht ist diese Angst absolut begründet. Der Vaterschaftsurlaub ist ein Mini-Schrittchen in der Debatte um Vereinbarkeit und Gleichstellung, quasi das leichte Anheben des grossen Zehs. Will die Schweiz gleichstellungspolitisch substanzielle Sprünge machen, braucht es eine Elternzeit, die diesen Namen verdient und die effektiv dazu beiträgt, dass alle Geschlechter sich die Erwerbs- und Familienarbeit fortschrittlich aufteilen können.