Informationen über Kurzarbeit

Um Arbeitgebende, die wegen des neuen Coronavirus in Schwierigkeiten geraten, schnell und unkompliziert zu unterstützen, hat das Seco den administrativen Aufwand für die Meldung von Kurzarbeit im Zusammenhang mit dem Coronavirus vereinfacht. Diese Massnahmen gelten noch bis Ende Dezember.

Im Frühjahr wurden eine Reihe von Massnahmen zur Kurzarbeit beschlossen. Ein Teil dieser Massnahmen wurde in der Zwischenzeit wieder aufgehoben. Andere gelten noch bis Ende Dezember 2020. Ein Überblick.

Per 1. September

Für Personen in befristeten Arbeitsverhältnissen ohne vertraglich vereinbarte Kündigungsmöglichkeit oder im Dienste einer Organisation für Temporärarbeit ist der ausserordentliche Anspruch auf KAE Ende August 2020 wieder entfallen. Per 1. September 2020 endet der ausserordentliche Anspruch für auf Abruf angestellte Personen mit einem schwankenden Pensum von mehr als 20% pro Jahr.

Per Ende Juni 2020

entfällt der Anspruch auf KAE für gefährdete Personen. Der Bundesrat könnte seit Ende September 2020 für diese Personen einen ausserordentlichen Anspruch auf Corona-Erwerbsersatz schaffen. Bisher hat er das nicht getan.

Per 31. Mai 2020

  • entfällt der Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung für Lernende sowie für Personen in arbeitgeberähnlicher Stellung
  • tritt die Voranmeldefrist von 10 Tagen wieder in Kraft

Stand September 2020 sind folgende Bestimmungen bis Ende Dezember 2020 gültig:

Prozess/Abwicklung:

  • Für bis Ende Mai 2020 eingereichte Voranmeldungen wurde die Voranmeldefrist für Kurzarbeit aufgehoben. Der Bundesrat hat am 20. Mai 2020 beschlossen, auf den 1. Juni 2020 die Voranmeldefrist für Kurzarbeit von 10 Tagen wieder einzuführen.
  • Die Bewilligungsdauer von Kurzarbeit war bis Ende August 2020 von 3 auf 6 Monate verlängert. Ab dem 1. September 2020 gilt wieder eine maximale Bewilligungsdauer von Kurzarbeit von 3 Monaten. Folglich verlieren Bewilligungen ihre Gültigkeit, die zu diesem Zeitpunkt älter als 3 Monate sind. Die davon betroffenen Unternehmen müssen eine neue Voranmeldung von Kurzarbeit einreichen.
  • Die Begründung für Kurzarbeit kann in der Voranmeldung kürzer gehalten werden, solange sie glaubhaft ist.
  • Die Abrechnung der KAE wird vereinfacht (nur ein Formular, nur fünf Angaben notwendig).

    Leistungen/Lohnzahlung
  • Die Karenzzeit für den Bezug von KAE wurde bis Ende August 2020 aufgehoben (Unternehmen tragen keinen Selbstbehalt mehr). Der Bundesrat hat beschlossen, ab dem 1. September 2020 die im regulären Gesetz vorgesehene und ab dann wieder gültige Karenzzeit von üblicherweise zwei bzw. drei Tagen auf einen Tag zu reduzieren. Das bedeutet, dass der Arbeitgeber pro Monat (= Abrechnungsperiode) die Lohnkosten für einen Tag mindestens im Umfang der KAE selbst zu tragen hat, bevor er die KAE erhält.
  • Bestehende Überzeiten müssen bis Ende Dezember 2020 nicht mehr vor dem Bezug der KAE abgebaut werden.
  • Zur Entlastung der Unternehmen wurde die maximale Bezugsdauer für KAE bei einem Arbeitsausfall von 85% oder mehr für die Dauer der ausserordentlichen Lage aufgehoben. Ab dem 1. September 2020 gilt für einen Arbeitsausfall von mehr als 85% wieder die maximale Bezugsdauer von 4 Abrechnungsperioden. Das heisst: Ein Betrieb hat damit ab diesem Zeitpunkt wieder nur während maximal vier Abrechnungsperioden das Anrecht, für einen Arbeitsausfall von über 85% Kurzarbeitsentschädigung zu beziehen. Damit Unternehmen nicht in zusätzliche wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten, werden neu Abrechnungsperioden, für die der Arbeitsausfall 85% der betrieblichen Arbeitszeit zwischen 1. März 2020 und 31. August 2020 überschritten hat, nicht an die vier maximal zulässigen Abrechnungsperioden angerechnet.
  • Zwischenbeschäftigungen werden bis Ende Dezember 2020 nicht mehr an die KAE angerechnet.

Weitere Informationen zu KAE finden sich auf der Website des Seco: www.arbeit.swiss/secoalv/de/home/menue/unternehmen/versicherungsleistungen/kurzarbeit-covid-19.html

Allgemeine Informationen zur Kurzarbeit

Was ist Kurzarbeitsentschädigung?
Kurzarbeit ist ein Instrument zur Abfederung von schwierigen, wirtschaftlichen Situationen, mit dem Ziel Arbeitsplätze zu erhalten. Sprich: (Massen-)Entlassungen zu vermeiden. Kurzarbeit ist die vorübergehende Reduzierung oder vollständige Einstellung der Arbeit in einem Betrieb, bei der aber die arbeitsrechtliche Vertragsbeziehung bestehen bleibt.

Die Vorteile für die Arbeitnehmenden sind: Vermeidung von Arbeitslosigkeit, Aufrechterhalten des sozialen und arbeitsrechtlichen Schutzes im Arbeitsverhältnis, Beitragslücken bei der beruflichen Vorsorge werden vermieden.

Wie kommt es zur Kurzarbeitsentschädigung?
Die Arbeitgeberin/der Arbeitgeberin muss die geplante Kurzarbeit schriftlich bei der kantonalen Amtsstelle (z.B. AWA BS bzw. KIGA BL) voranmelden. Die gängige Karenzfrist wurde auf Grund des Coronavirus von 10 auf 1 Arbeitstag reduziert. Weiterhin ist eine schriftliche Zustimmung, jedes einzelnen Angestellten zur Kurzarbeit nicht mehr nötig. Der Arbeitgeber / Die Arbeitgeberin muss seine Angestellten Fragen, ob sie mit der Kurzarbeit einverstanden sind, wenn diese zustimmen, reicht dies als Angabe für den Antrag. Die bereits gesenkte Karenzfrist (Wartefrist) für KAE wird aufgehoben. Damit entfällt die Beteiligung der Arbeitgeber an den Arbeitsausfällen. Im Bereich der Abwicklung der Gesuche sowie der Zahlungen von Kurzarbeit wurden ferner noch dringliche Vereinfachungen mit der Verabschiedung neuer Bestimmungen vorgenommen. Damit wird bspw. eine Bevorschussung von fälligen Lohnzahlungen via KAE möglich.

Der Kanton prüft, ob die Kurzarbeit rechtmässig ist und ob sie tatsächlich dem Erhalt der Arbeitsplätze dient. Sofern das kantonale Arbeitsamt die Kurzarbeit bewilligt, muss der Arbeitgeber die Geltendmachung bei der kantonalen Arbeitslosenkasse einreichen. Die Kasse überprüft die Anspruchsvoraussetzungen im Detail und vergütet bei positivem Bescheid anschliessend die Kurzarbeitsentschädigung (KAE) dem Arbeitgeber /der Arbeitgeberin. Die Arbeitgeberin /Der Arbeitgeber zahlt entsprechend Löhne aus.

Was heisst Kurzarbeitsentschädigung für die Arbeitnehmenden?
Die KAE beträgt 80% des auf die ausgefallenen Arbeitsstunden anrechenbaren Verdienstausfalls, z.B.

  • bei 100% Kurzarbeit (keine Arbeitsleistung wird erbracht) liegt die KAE bei 80% des normalen Lohns.
  • bei 50% Kurzarbeit (50% der vertraglichen Arbeitsstunden werden erbracht) wird der halbe Lohn normal ausbezahlt, die andere geschuldete Hälfte wird zu 80% als KAE entgolten

Bsp: Lohn 6000 CHF/Monat

50% des Lohnes3000 CHF
80% KAE von 50%Lohn2400 CHF
Total5400 CHF

Der Arbeitgeber / die Arbeitgeberin kann – und das fordert der VPOD – die Einbusse von 20% übernehmen, so dass die Mitarbeitenden keinen Lohnausfall haben. Dann werden dem Arbeitgeber also 80% der Lohnkosten für die ausfallenden Arbeitsstunden von der Arbeitslosenversicherung gedeckt und den Rest übernimmt der Betrieb.

Wer hat Anspruch auf KAE?

Grundsätzlich haben StundenlöhnerInnen und MonatslöhnerInnen (Teilzeit und Vollzeit) Anspruch auf KAE, ebenso wie Heimarbeitende, bei denen mindestens 10% der Arbeitsleistung entfällt/eingestellt wird, sofern mit einer regelmässigen, arbeitsvertraglich zugesicherten Anzahl Arbeitsstunden gerechnet wird. Es gibt für alle Lohngruppen ein Formular zum Ausfüllen.

Folgende Voraussetzungen müssen erfüllt werden, damit ein/e Arbeitnehmende Anspruch auf KAE hat:

  • das Arbeitsverhältnis darf nicht gekündigt sein (Art. 31 Abs. 1 Bst. c AVIG)
  • Arbeitnehmer müssen nicht mehr zuerst ihre Überstunden abbauen, bevor sie von KAE profitieren können
  • der Arbeitsausfall ist voraussichtlich vorübergehend und es darf erwartet werden, dass durch Kurzarbeit die Arbeitsplätze erhalten werden können (Art. 31 Abs. 1 Bst. d AVIG)
  • die Arbeitszeit ist kontrollierbar (Art. 31 Abs. 3 Bst. a AVIG)
  • der Arbeitsausfall macht je Abrechnungsperiode mindestens 10 Prozent der Arbeitsstunden aus (Art. 32 Abs. 1 Bst. b AVIG)
  • der Arbeitsausfall wird nicht durch Umstände verursacht, die zum normalen Betriebsrisiko gehören (Art. 33 Abs. 1 Bst. a AVIG)

Wichtig zu wissen: Auch Arbeitnehmende, die in Folge des Coronavirus unter Quarantäne gestellt werden und somit nicht am Arbeitsplatz erscheinen können, haben Anspruch auf KAE wenn alle andern Voraussetzungen (oben) erfüllt sind und keine andere Sozialversicherung (z.B. Krankenversicherung) Leistungen erbringt.
Arbeitnehmende, die ihre Arbeitsleistung aus persönlichen Gründen (bspw. Krankheit, Angst vor Ansteckung oder familiäre Verpflichtungen, z.B. Pflege Familienmitglied im Krankheitsfall, Betreuung der Kinder bei Schliessung von Schulden/Horten/etc) nicht erbringen, haben keinen Anspruch auf KAE.

Keinen Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung (KAE) haben:

  • der Geschäftsführer/die Geschäftsführerin, Direktionsmitglieder und Mitglieder des obersten betrieblichen Entscheidungsgremiums. In der Regel gehören dazu die Einzelunterschriftsberechtigten sowie jene, die massgeblich finanziell an einem Betrieb beteiligt sind.
  • Arbeitnehmende im Pensionsalter (ab dem Folgemonat, in welchem das AHV-Rentenalter erreicht wird)
  • Arbeitnehmende in einem gekündigten Arbeitsverhältnis, unabhängig davon, welche Vertragspartei gekündigt hat und nur während der Zeit der vertraglich vereinbarten Kündigungsfrist. Bei frühzeitiger Kündigung besteht somit bis zum Beginn der Kündigungsfrist noch Anspruch. Bei fehlender vertraglicher Kündigungsfrist gilt die gesetzliche Kündigungsfrist.
  • in einem Arbeitsverhältnis auf Abruf, wenn Pensum im Durchschnitt mehr als 20% schwankend und das Arbeitsverhältnis im Unternehmen weniger als sechs Monate gedauert hat
  • keinen bestimmbaren Ausfall erleiden oder deren Arbeitszeit nicht ausreichend kontrollierbar ist, weil sie beispielsweise keiner Arbeitszeitkontrolle unterstehen.
  • Mitarbeitende, die der Kurzarbeit nicht zugestimmt haben. Diese sind nach dem Arbeitsvertrag zu entlöhnen.

Wichtig zu wissen: Falls einem von Kurzarbeit betroffenen Mitarbeitenden eine Kündigung während oder unmittelbar nach der Kurzarbeit ausgesprochen wird, kann sie/er den erlittenen Lohnausfall durch die KAE-Massnahme nachträglich für die gesamte Zeit der Kurzarbeit vom Arbeitgeber nachfordern. Grund der Kurzarbeits-Massnahme ist der Erhalt von Arbeitsplätzen. Bei einer Kündigung ist der Zweck der Kurzarbeit nachträglich dahingefallen.

Muss ich als Arbeitnehmende/r meine Zustimmung geben?
Arbeitnehmende dürfen Kurzarbeit verweigern. Dann muss der Arbeitgeber/die Arbeitgeberin den vollen Lohn weiter ausrichten. Allerdings haben diese Mitarbeitenden dann keinen besonderen Schutz vor Kündigung (siehe oben “Voraussetzung für Anspruch KAE ist ungekündigtes Arbeitsverhältnis”).
Die Zustimmung zur Kurzarbeit über die PEKO/PV/BEKO/PA oder der Gewerkschaft genügt nicht, sondern setzt die Zustimmung des einzelnen Mitarbeitenden oder eine entsprechende Grundlage in einem Gesamtarbeitsvertrag voraus. Allerdings wurde auf Grund von Corona die Bestimmung über die Zustimmung gelockert: Nicht jeder einzelne Mitarbeitenden muss eine schriftliche Zustimmung erteilen, sondern das mündliche Einverständnis gegenüber dem Arbeitgeber reicht aus. Ist sich die Behörde nicht sicher, ob die Mitarbeitenden einverstanden sind, kann eine schriftliche Zustimmungserklärung nachgefordert werden und muss aber nicht zur Antragsstellung vorliegen.


Der VPOD empfiehlt im Sinne der Solidarität, aber auch zur Vermeidung von Entlassungen und für euren Schutz, Kurzarbeit zuzustimmen. Wir stehen dir aber natürlich dazu gerne beratend zur Seite.

Ermittlung anrechenbarer Arbeitsausfall (Formulare)
Für die Ermittlung des anrechenbaren Arbeitsausfalles sind die in den letzten 6 Monaten vor Geltendmachung von Kurzarbeitsentschädigung geleisteten Mehrstunden zu berücksichtigen. Dazu zählen alle Mehrstunden, Überstunden, Überzeit etc., egal ob diese ausbezahlt wurden, als Guthaben in der Zeiterfassung auftauchen oder nicht kompensiert werden können. Damit wird verhindert, dass Betriebe zunächst Mehrarbeit leisten und anschliessend Kurzarbeit anmelden.
Bitte überprüft – oder fragt bei uns dafür nach – ob die Berechnungen des Betriebs auf dem jeweiligen Formular korrekt sind.

Wie lange darf die Kurzarbeit andauern?
Innerhalb von zwei Jahren wird für maximal 12 Monaten KAE ausgerichtet, ein monatlicher Arbeitsausfall von mehr als 85 % ist nur während längstens 4 Monaten anrechenbar.

Muss ich zuerst Überstunden abbauen?
Nein, neu gilt, dass Arbeitnehmer nicht mehr zuerst ihre Überstunden abbauen müssen, bevor sie von Kurzarbeitsentschädigungen profitieren können (bis Ende Dezember 2020).

Meine Kollegin ist nicht betroffen – kann sein?
Kurzarbeit muss nicht für die gesamte Firma gesprochen werden, sondern kann auch nur einzelne Bereiche/Abteilungen betreffen.

Können öffentlich-rechtliche Institutionen Kurzarbeit anmelden?
In der Regel sind die Anspruchsvoraussetzungen bei öffentlich-rechtlichen Betrieben nicht gegeben, da sie kein eigentliches Betriebsrisiko tragen. Allerdings kann der Anspruch im Einzelfall nicht von vorneherein absolut ausgeschlossen werden, daher ist im Einzelfall zu prüfen ob KAE gewährt werden kann (BGE 121 V 362).
Wenn öffentlich-rechtlichen Arbeitgeber, ihre Aufgaben unabhängig von der wirtschaftlichen Situation erbringen müssen (Leistungsaufträge) und öffentliche Mittel Verluste, Mehrkosten, Engpässe auffangen, ist davon auszugehen, dass der Anspruch auf KAE entfällt (ARV 1996/1997 S.122). Da es hier aber die um die wirtschaftliche Grundlage für KAE geht, erachten wir es in der Corona-Krise für empfehlenswert, dass auch öffentlich-rechtliche Arbeitgeber in Kontakt mit den Behörden betreffend KAE treten, wenn dies angezeigt ist. Dies insbesondere, wenn die Schliessung von Abteilungen oder des Betriebes auf Grund einer behördlichen Anordnung erfolgt.
Wir weisen aber darauf hin, dass die KAE im Grundsatz für privatrechtliche Arbeitsverhältnis vorgesehen ist.

Wird eine Zwischenverdienst an die KAE angerechnet?
Um die Auszahlungsverfahren der KAE während der ausserordentlichen Lage zu vereinfachen, hat der Bundesrat beschlossen, dass Einkommen aus einer Zwischenbeschäftigung während der Kurzarbeit nicht mehr an die KAE angerechnet werden (Stand: 8. April). Für Arbeitnehmende wird mit dieser Anpassung ein finanzieller Anreiz geschaffen, in Bereichen, die im Moment einen hohen Bedarf an Personal haben, eine Zwischenbeschäftigung anzunehmen. Viele Unternehmen suchen zum gegenwärtigen Zeitpunkt dringend neues Personal, insbesondere im Gesundheitswesen, der Landwirtschaft oder der Logistik. Durch diese Vereinfachung des Verfahrens können die Abrechnungen für KAE schneller bearbeitet werden

Weitere Fragen?
Dann wende dich an das »zuständige VPOD- Regionalsekretariat oder schreibe uns » Enable JavaScript to view protected content.

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Tel +41 (0)44 266 52 52
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