Informationen über Kurzarbeit

Die hier aufgeführten Regelungen zur Kurzarbeit aufgeführt sind, gelten nur in der Coronavirus-Krise!

Stand 23.03.2020

Was ist Kurzarbeitsentschädigung?
Kurzarbeit ist ein Instrument zur Abfederung von schwierigen, wirtschaftlichen Situationen, mit dem Ziel Arbeitsplätze zu erhalten. Sprich: (Massen-)Entlassungen zu vermeiden. Kurzarbeit ist die vorübergehende Reduzierung oder vollständige Einstellung der Arbeit in einem Betrieb, bei der aber die arbeitsrechtliche Vertragsbeziehung bestehen bleibt.

Die Vorteile für die Arbeitnehmenden sind: Vermeidung von Arbeitslosigkeit, Aufrechterhalten des sozialen und arbeitsrechtlichen Schutzes im Arbeitsverhältnis, Beitragslücken bei der beruflichen Vorsorge werden vermieden.

Wie kommt es zur Kurzarbeitsentschädigung?
Die Arbeitgeberin/der Arbeitgeberin muss die geplante Kurzarbeit schriftlich bei der kantonalen Amtsstelle (z.B. AWA BS bzw. KIGA BL) voranmelden. Die gängige Karenzfrist wurde auf Grund des Coronavirus von 10 auf 1 Arbeitstag reduziert. Weiterhin ist eine schriftliche Zustimmung, jedes einzelnen Angestellten zur Kurzarbeit nicht mehr nötig. Der Arbeitgeber / Die Arbeitgeberin muss seine Angestellten Fragen, ob sie mit der Kurzarbeit einverstanden sind, wenn diese zustimmen, reicht dies als Angabe für den Antrag. Die bereits gesenkte Karenzfrist (Wartefrist) für KAE wird aufgehoben. Damit entfällt die Beteiligung der Arbeitgeber an den Arbeitsausfällen. Im Bereich der Abwicklung der Gesuche sowie der Zahlungen von Kurzarbeit wurden ferner noch dringliche Vereinfachungen mit der Verabschiedung neuer Bestimmungen vorgenommen. Damit wird bspw. eine Bevorschussung von fälligen Lohnzahlungen via KAE möglich.

Der Kanton prüft, ob die Kurzarbeit rechtmässig ist und ob sie tatsächlich dem Erhalt der Arbeitsplätze dient. Sofern das kantonale Arbeitsamt die Kurzarbeit bewilligt, muss der Arbeitgeber die Geltendmachung bei der kantonalen Arbeitslosenkasse einreichen. Die Kasse überprüft die Anspruchsvoraussetzungen im Detail und vergütet bei positivem Bescheid anschliessend die Kurzarbeitsentschädigung (KAE) dem Arbeitgeber /der Arbeitgeberin. Die Arbeitgeberin /Der Arbeitgeber zahlt entsprechend Löhne aus.

Was heisst Kurzarbeitsentschädigung für die Arbeitnehmenden?
Die KAE beträgt 80% des auf die ausgefallenen Arbeitsstunden anrechenbaren Verdienstausfalls, z.B.

  • bei 100% Kurzarbeit (keine Arbeitsleistung wird erbracht) liegt die KAE bei 80% des normalen Lohns.
  • bei 50% Kurzarbeit (50% der vertraglichen Arbeitsstunden werden erbracht) wird der halbe Lohn normal ausbezahlt, die andere geschuldete Hälfte wird zu 80% als KAE entgolten

Bsp: Lohn 6000 CHF/Monat

50% des Lohnes3000 CHF
80% KAE von 50%Lohn2400 CHF
Total5400 CHF

Der Arbeitgeber / die Arbeitgeberin kann – und das fordert der VPOD – die Einbusse von 20% übernehmen, so dass die Mitarbeitenden keinen Lohnausfall haben. Dann werden dem Arbeitgeber also 80% der Lohnkosten für die ausfallenden Arbeitsstunden von der Arbeitslosenversicherung gedeckt und den Rest übernimmt der Betrieb.

Wer hat Anspruch auf KAE?

Grundsätzlich haben StundenlöhnerInnen und MonatslöhnerInnen (Teilzeit und Vollzeit) Anspruch auf KAE, ebenso wie Heimarbeitende, bei denen mindestens 10% der Arbeitsleistung entfällt/eingestellt wird, sofern mit einer regelmässigen, arbeitsvertraglich zugesicherten Anzahl Arbeitsstunden gerechnet wird. Es gibt für alle Lohngruppen ein Formular zum Ausfüllen. Durch die aktuelle wirtschaftliche Ausnahmesituation sind auch Personen, welche befristet, temporär oder in arbeitgeberähnlichen Anstellungen arbeiten sowie Personen, die in einem Lehrverhältnis stehen, stark betroffen. Deshalb wurden die Ansprüche auf Kurzarbeitsentschädigung ausgeweitet.

  • kann die KAE auch für Angestellte in befristeten Arbeitsverhältnissen und für Personen in den Diensten einer Organisation für Temporärarbeit ausgerichtet werden.
  • Neu soll der Arbeitsausfall auch für Personen, die in einem Lehrverhältnis stehen, anrechenbar werden.
  • Neu KANN KAE auch für arbeitgeberähnliche Angestellte ausgerichtet werden. Als arbeitgeberähnliche Angestellte gelten z.B. Gesellschafter einer Gmbh, welche als Angestellte gegen Entlohnung im Betrieb arbeiten. Personen, die im Betrieb des Ehegatten bzw. des eingetragenen Partners mitarbeiten, können nun auch von KAE profitieren. Sie sollen eine Pauschale von 3320.- Franken als KAE für eine Vollzeitstelle geltend machen können.

Folgende Voraussetzungen müssen erfüllt werden, damit ein/e Arbeitnehmende Anspruch auf KAE hat:

  • das Arbeitsverhältnis darf nicht gekündigt sein (Art. 31 Abs. 1 Bst. c AVIG)
  • müssen Arbeitnehmer nicht mehr zuerst ihre Überstunden abbauen, bevor sie von KAE profitieren können.
  • der Arbeitsausfall ist voraussichtlich vorübergehend und es darf erwartet werden, dass durch Kurzarbeit die Arbeitsplätze erhalten werden können (Art. 31 Abs. 1 Bst. d AVIG)
  • die Arbeitszeit ist kontrollierbar (Art. 31 Abs. 3 Bst. a AVIG)
  • der Arbeitsausfall macht je Abrechnungsperiode mindestens 10 Prozent der Arbeitsstunden aus (Art. 32 Abs. 1 Bst. b AVIG)
  • der Arbeitsausfall wird nicht durch Umstände verursacht, die zum normalen Betriebsrisiko gehören (Art. 33 Abs. 1 Bst. a AVIG)

Wichtig zu wissen: Auch Arbeitnehmende, die in Folge des Coronavirus unter Quarantäne gestellt werden und somit nicht am Arbeitsplatz erscheinen können, haben Anspruch auf KAE wenn alle andern Voraussetzungen (oben) erfüllt sind und keine andere Sozialversicherung (z.B. Krankenversicherung) Leistungen erbringt.
Arbeitnehmende, die ihre Arbeitsleistung aus persönlichen Gründen (bspw. Krankheit, Angst vor Ansteckung oder familiäre Verpflichtungen, z.B. Pflege Familienmitglied im Krankheitsfall, Betreuung der Kinder bei Schliessung von Schulden/Horten/etc) nicht erbringen, haben keinen Anspruch auf KAE.

Keinen Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung (KAE) haben:

  • der Geschäftsführer/die Geschäftsführerin, Direktionsmitglieder und Mitglieder des obersten betrieblichen Entscheidungsgremiums. In der Regel gehören dazu die Einzelunterschriftsberechtigten sowie jene, die massgeblich finanziell an einem Betrieb beteiligt sind.
  • Arbeitnehmende im Pensionsalter (ab dem Folgemonat, in welchem das AHV-Rentenalter erreicht wird)
  • Arbeitnehmende in einem gekündigten Arbeitsverhältnis, unabhängig davon, welche Vertragspartei gekündigt hat und nur während der Zeit der vertraglich vereinbarten Kündigungsfrist. Bei frühzeitiger Kündigung besteht somit bis zum Beginn der Kündigungsfrist noch Anspruch. Bei fehlender vertraglicher Kündigungsfrist gilt die gesetzliche Kündigungsfrist.
  • in einem Arbeitsverhältnis auf Abruf, wenn Pensum im Durchschnitt mehr als 20% schwankend
  • keinen bestimmbaren Ausfall erleiden oder deren Arbeitszeit nicht ausreichend kontrollierbar ist, weil sie beispielsweise keiner Arbeitszeitkontrolle unterstehen.
  • Arbeitnehmende auf Abruf
  • Mitarbeitende, die der Kurzarbeit nicht zugestimmt haben. Diese sind nach dem Arbeitsvertrag zu entlöhnen.

Wichtig zu wissen: Falls einem von Kurzarbeit betroffenen Mitarbeitenden eine Kündigung während oder unmittelbar nach der Kurzarbeit ausgesprochen wird, kann sie/er den erlittenen Lohnausfall durch die KAE-Massnahme nachträglich für die gesamte Zeit der Kurzarbeit vom Arbeitgeber nachfordern. Grund der Kurzarbeits-Massnahme ist der Erhalt von Arbeitsplätzen. Bei einer Kündigung ist der Zweck der Kurzarbeit nachträglich dahingefallen.

Muss ich als Arbeitnehmende/r meine Zustimmung geben?
Arbeitnehmende dürfen Kurzarbeit verweigern. Dann muss der Arbeitgeber/die Arbeitgeberin den vollen Lohn weiter ausrichten. Allerdings haben diese Mitarbeitenden dann keinen besonderen Schutz vor Kündigung (siehe oben “Voraussetzung für Anspruch KAE ist ungekündigtes Arbeitsverhältnis”).
Die Zustimmung zur Kurzarbeit über die PEKO/PV/BEKO/PA oder der Gewerkschaft genügt nicht, sondern setzt die Zustimmung des einzelnen Mitarbeitenden oder eine entsprechende Grundlage in einem Gesamtarbeitsvertrag voraus. Allerdings wurde auf Grund von Corona die Bestimmung über die Zustimmung gelockert: Nicht jeder einzelne Mitarbeitenden muss eine schriftliche Zustimmung erteilen, sondern das mündliche Einverständnis gegenüber dem Arbeitgeber reicht aus. Ist sich die Behörde nicht sicher, ob die Mitarbeitenden einverstanden sind, kann eine schriftliche Zustimmungserklärung nachgefordert werden und muss aber nicht zur Antragsstellung vorliegen.


Der VPOD empfiehlt im Sinne der Solidarität, aber auch zur Vermeidung von Entlassungen und für euren Schutz, Kurzarbeit zuzustimmen. Wir stehen dir aber natürlich dazu gerne beratend zur Seite.

Ermittlung anrechenbarer Arbeitsausfall (Formulare)
Für die Ermittlung des anrechenbaren Arbeitsausfalles sind die in den letzten 6 Monaten vor Geltendmachung von Kurzarbeitsentschädigung geleisteten Mehrstunden zu berücksichtigen. Dazu zählen alle Mehrstunden, Überstunden, Überzeit etc., egal ob diese ausbezahlt wurden, als Guthaben in der Zeiterfassung auftauchen oder nicht kompensiert werden können. Damit wird verhindert, dass Betriebe zunächst Mehrarbeit leisten und anschliessend Kurzarbeit anmelden.
Bitte überprüft – oder fragt bei uns dafür nach – ob die Berechnungen des Betriebs auf dem jeweiligen Formular korrekt sind.

Wie lange darf die Kurzarbeit andauern?
Innerhalb von zwei Jahren wird für maximal 12 Monaten KAE ausgerichtet, ein monatlicher Arbeitsausfall von mehr als 85 % ist nur während längstens 4 Monaten anrechenbar.

Muss ich zuerst Überstunden abbauen?
Nein, neu gilt, dass Arbeitnehmer nicht mehr zuerst ihre Überstunden abbauen müssen, bevor sie von Kurzarbeitsentschädigungen profitieren können.

Meine Kollegin ist nicht betroffen – kann sein?
Kurzarbeit muss nicht für die gesamte Firma gesprochen werden, sondern kann auch nur einzelne Bereiche/Abteilungen betreffen.

Können öffentlich-rechtliche Institutionen Kurzarbeit anmelden?
In der Regel sind die Anspruchsvoraussetzungen bei öffentlich-rechtlichen Betrieben nicht gegeben, da sie kein eigentliches Betriebsrisiko tragen. Allerdings kann der Anspruch im Einzelfall nicht von vorneherein absolut ausgeschlossen werden, daher ist im Einzelfall zu prüfen ob KAE gewährt werden kann (BGE 121 V 362).
Wenn öffentlich-rechtlichen Arbeitgeber, ihre Aufgaben unabhängig von der wirtschaftlichen Situation erbringen müssen (Leistungsaufträge) und öffentliche Mittel Verluste, Mehrkosten, Engpässe auffangen, ist davon auszugehen, dass der Anspruch auf KAE entfällt (ARV 1996/1997 S.122). Da es hier aber die um die wirtschaftliche Grundlage für KAE geht, erachten wir es in der Corona-Krise für empfehlenswert, dass auch öffentlich-rechtliche Arbeitgeber in Kontakt mit den Behörden betreffend KAE treten, wenn dies angezeigt ist. Dies insbesondere, wenn die Schliessung von Abteilungen oder des Betriebes auf Grund einer behördlichen Anordnung erfolgt.
Wir weisen aber darauf hin, dass die KAE im Grundsatz für privatrechtliche Arbeitsverhältnis vorgesehen ist.

Weitere Fragen?
Dann wende dich an das »zuständige VPOD- Regionalsekretariat oder schreibe uns » Enable JavaScript to view protected content.

Infoblatt Kurzarbeit für Kita-Mitarbeitende