Informationen zu Quarantäne und Corona-Infektion

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Arbeitsrechtliche Infos zu Quarantäne, Quarantäneunterbruch, Lohnfortzahlung

Haben Personen, die wegen Kontakt mit Erkrankten/ positiv Getesteten unter Quarantäne gestellt werden, Anspruch auf Lohnfortzahlung?

Wenn ein Betrieb aufgrund einer behördlichen Massnahme geschlossen wird und/ oder die Mitarbeitenden unter Quarantäne gestellt werden, handelt es sich um eine unverschuldete Verhinderung an der Arbeit. Das gleiche gilt, wenn einzelne Personen oder Gruppen (zum Beispiel Lehrpersonen oder Kitamitarbeitende) aufgrund einer behördlichen Anweisung unter Quarantäne gestellt werden oder Kontakt mit einer Covid-positiven Person hatten. Falls die Arbeit nicht im Home-Office erledigt werden kann, ist der Lohn trotzdem geschuldet. Die Betroffenen haben Anspruch auf Erwerbsausfallentschädigung ("Corona-Erwerbsersatz"). Diese Regelung gilt bis zum 30. Juni 2021.

Anspruch auf Quarantäne-Erwerbsersatz hat:

  • wer obligatorisch bei der AHV versichert ist (also in der Schweiz wohnt oder in der Schweiz erwerbstätig ist) und einer unselbstständigen oder selbstständigen Erwerbstätigkeit nachgeht.
  • Die Quarantänemassnahme muss mit einem ärztlichen Attest oder mit der behördlichen Anordnung belegt werden. Sollte der Kantonsarzt angesichts der steigenden Fallzahlen nicht in der Lage sein, ein solches Dokument auszustellen, so können Sie dies mittels Selbstdeklaration angeben.

Wenn Sie krank sind oder vom Arbeitgeber beurlaubt wurden, weil Sie zur Risikogruppe gehören, erhalten Sie die Entschädigung nicht, da der Arbeitgeber in diesen Fällen zur Lohnfortzahlung verpflichtet ist.

Informationen unter der Corona-Hotline des BAG: 041/ 58 463 00 00

Haben Personen Anspruch auf Lohn, wenn sie sich nach der Benachrichtigung durch die Corona-App freiwillig in Quarantäne begeben?

Nein. Bei einer freiwilligen Quarantäne gibt es kein Anrecht auf Lohnfortzahlung. Die Lohnfortzahlung ist dagegen gewährleistet, wenn die Quarantäne von einem Arzt/ einer Ärztin (Arztzeugnis) oder durch die kantonalen Behörden angeordnet worden ist. Im Falle der Quarantäne beim klassischen Contact Tracing ist hierzu eine Anordnung der kantonalen Behörden notwendig.

Und bei einer COVID-Erkrankung?

Wer positiv getestet ist, wird vom Arzt oder behördlich unter Quarantäne gestellt. Falls die Arbeit nicht im Home-Office erledigt werden kann, wird der Lohn über den Corona-Erwerbsersatz fortgezahlt. Wenn Sie an Covid-19 erkranken, gelten die normalen Bestimmungen für Lohnfortzahlung bei Krankheit gemäss Arbeitsvertrag.

Sie sind in Quarantäne und die Quarantänebestimmungen wurden vom Kanton gelockert. Darf der Kanton das?

Die Verordnung über Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus im Bereich des internationalen Personenverkehrs erlaubt Arbeitgebern, Personen in Quarantäne (nach einer Reise) zur Arbeit aufzubieten, während KantonsärztInnen berechtigt sind, weitere Abweichungen von den Quarantänebestimmungen zu genehmigen. Dabei orientieren sich Behörden und Arbeitgeber an den Empfehlungen von Swissnoso, einer Vereinigung von leitenden Schweizer SpitalhygienikerInnen. Die Empfehlungen, etwa, dass infiziertes Personal zur Arbeit aufgeboten werden kann, gelten auch für die Langzeitpflege. Allerdings haben sich sowohl der Verband Spitex Schweiz als auch Curaviva, der nationale Verband im Bereich der Langzeitpflege und -betreuung, dezidiert gegen eine solche Praktik ausgesprochen.
Auch der VPOD ist der Meinung: Personen mit positivem Corona-Test bzw. in Erwartung des Tests sowie Personen, die sich in Quarantäne befinden, dürfen nicht zur Arbeit aufgeboten werden. Das Gesundheitspersonal, das gemäss BAG in Quarantäne muss, soll in Quarantäne bleiben, genauso wie die Gesamtbevölkerung.

Die Quarantänebestimmungen vom Kanton wurden gelockert und Ihr Arbeitgeber hat Sie zur Arbeit aufgeboten. Allerdings verlangt er von Ihnen, dass Sie sich in ihrem Privatleben einschränken, damit sie sich nicht anstecken. Darf er das?

Nein. Wenn die Quarantäne in Bezug auf die Arbeit gelockert wird, jedoch im Privatleben weiter besteht, spricht man von sozialer Quarantäne. Diese Praxis verstösst gegen geltendes Arbeitsrecht, gefährdet die Gesundheit der PatientInnen, der MitarbeiterInnen, Ihrer KollegInnen und damit nicht zuletzt die Versorgungssicherheit; sie setzt die betroffenen MitarbeiterInnen einem ungeklärten Haftungsrisiko aus und verletzt den Schutz der Privatsphäre massiv.

Sie sind mit dem Coronavirus infiziert und ihr Arbeitgeber hat sie trotzdem zur Arbeit aufgeboten. Darf er das?

Nein. Infiziertes Personal aufzubieten, stellt eine grobe Verletzung der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers dar. Diese Personen haben während ihres Einsatzes Kontakt mit PatientInnen UND ArbeitskollegInnen. Die Verletzung des Gesundheitsschutzes von Arbeitnehmenden wird mit dem Argument des Personalmangels begründet. Tatsächlich hat der VPOD jedoch schon während der ersten Welle festgestellt, dass die Verletzungen fundamentaler Rechte und Aufhebung wichtiger Schutzbestimmungen zu vermeiden wären, wenn die Institutionen und Kantone konsequent zusammenarbeiten, das bestehende Gesundheitspersonal gezielt und koordiniert einsetzen sowie zusätzliches Personal einstellen würde.

Ist der Betrieb nicht in der Lage, die Gesundheit seines Personals hinreichend zu schützen (z.B. wegen fehlender oder schlechter Schutzausrüstung), darf dieses die Arbeit verweigern, bei entsprechend begründeter Mitteilung an den Arbeitgeber. Dies gilt in besonderem Masse für MitarbeiterInnen mit familiären Verpflichtungen. Der Arbeitgeber befindet sich im Annahmeverzug (Art. 324 OR), weshalb der Lohn weiterhin geschuldet ist. Ist das Unternehmen nicht in der Lage, die Schutzvorschriften einzuhalten, muss das zuständige Arbeitsinspektorat den Betrieb so lange wie nötig schliessen.

Liegt der vorgenannte Sachverhalt vor (Covid-19-Infektion, Aufgebot des Arbeitgebers zur Arbeitsaufnahme), empfiehlt der VPOD den betreffenden MitarbeiterInnen, sich ärztlich krank schreiben zu lassen.

Wer sich bei der Arbeit angesteckt hat, bekommt die Kosten für Behandlung und den Erwerbsausfall im Falle einer medizinisch indizierten Quarantäne von der Unfallversicherung erstattet. Infektionskrankheiten, wozu auch COVID-19 zählt, gelten bei Gesundheitsfachpersonen als arbeitsbedingte Erkrankungen

Haben Personen, die Ferien in einem Risikogebiet machen und unter Quarantäne gestellt werden, Anspruch auf Lohn oder Lohnersatz («Corona-Erwerbsersatz»)?

Wer seine Arbeit während der Quarantäne im Home-Office erledigen kann, hat auch Anspruch auf seinen Lohn. Wenn Home-Office nicht möglich ist, entfällt auch der Lohnanspruch, und es gibt auch keinen Lohnersatz.

Wer allerdings vom Arbeitgeber in ein Risikogebiet geschickt wurde, hat auch Anspruch auf Lohnfortzahlung nach Art. 324 OR, da es sich dann um eine unverschuldete Arbeitsverhinderung handelt.

Auch wer aus einem Gebiet kommt, das bei seiner Abreise noch als risikoarm galt, ist nicht Schuld an der Arbeitsverhinderung und hat daher Anspruch auf Lohnfortzahlung gemäss seinem Arbeitsvertrag (soweit ihm nicht aus anderen Gründen ein Verschulden zur Last gelegt werden kann).

Informationen zu » Quarantäneregelungen / Sozialer Quarantäne beim Gesundheitspersonal