Schulferien in Corona-Zeiten

Schulferien - nicht immer ganz einfach! Foto: andov AdobeStock

Arbeit im Homeoffice, geschlossene Schulen, reduzierte Betreuungseinrichtungen und dann auch noch «Ferien» - eine Herausforderung für alle Beteiligten! Daraus ergeben sich auch arbeitsrechtliche Fragen.

Schon normalerweise ist das Nebeneinander von Homeoffice und Schulkindern ein schwieriger Balanceakt. In den Ferien wird es vollends unmöglich. Welche Möglichkeiten gibt es? Und welche Pflichten haben Lehrpesonen? Antworten auf wichtige Fragen.

Ich arbeite im Homeoffice und meine Kinder haben jetzt während der Schulferien kein Tagesprogramm mehr. Muss ich trotzdem mein übliches Pensum weiterarbeiten?
Nein. Grundsätzlich sind Homeoffice und Kinderbetreuung nicht zur gleichen Zeit möglich, auch wenn manche Menschen das glauben.
Wer aufgrund der Schulferien jetzt mehr Zeit für die Kinder braucht und die Betreuung nicht anders organisieren kann, muss vom Arbeitgeber freigestellt werden. Das gilt zuhause genauso wie am Betriebsarbeitsplatz.
Auch wenn Sie in den letzten Wochen Arbeit und Betreuung gleichzeitig gemeistert haben, da die Kinder mit Fernunterricht beschäftigt waren, muss das nicht für die Ferien genauso gelten.

Bekomme ich trotzdem meinen Lohn, wenn ich während der Schulferien nicht arbeiten kann, weil ich meine Kinder betreuen muss?
Soweit von Seiten des Arbeitgebers keine Lohnfortzahlung für diesen Fall vorgesehen ist, kann für die entfallende Arbeitszeit ein Erwerbsersatz beantragt werden. Genauere Infos finden sich im entsprechenden Merkblatt der AHV (https://www.ahv-iv.ch/p/6.03.d).
Es braucht klare Abmachungen mit dem Arbeitgeber, in welchem Umfang die Arbeit wegen der Betreuungsaufgaben reduziert werden muss, und zu welchen Zeiten Sie eventuell trotzdem zur Verfügung stehen.

Der Arbeitgeber erwartet von mir, dass ich in den Schulferien der Kinder jetzt meine Überstunden abbummele. Darf er das? Ich möchte lieber freigestellt werden und die Überstunden später einziehen.
Die Frage der Kompensation von Überstunden ist gesetzlich leider nicht ganz klar geregelt. Einerseits darf der Arbeitgeber die Kompensation von Überstunden nicht einseitig anordnen, sondern Arbeitgeber und Arbeitnehmende müssen sich über die Art und die Zeit einig werden.
Andererseits gibt es aber eine Pflicht des Arbeitnehmers, «in guten Treuen bei der Kompensation von Überstunden mitzuwirken», d.h. einer Kompensation zuzustimmen, wenn überwiegende Interessen der Arbeitgeberin dies erfordern und keine gewichtigen Interessen des Arbeitnehmers oder der Arbeitnehmerin dagegensprechen.
Wenn der Betrieb also wegen der Pandemie schliesst oder die Arbeit reduzieren muss, wird es in aller Regel für zumutbar gehalten, dass der Arbeitnehmer oder die Arbeitnehmerin Überstunden kompensieren. Der Arbeitnehmer ist dann auch verpflichtet der Kompensation zuzustimmen.
Allerdings bleibt trotzdem der Auftrag, dass sich Arbeitgeber und Arbeitnehmende darüber verständigen, vorzugsweise im Rahmen der Sozialpartnerschaft.

Ursprünglich wollten wir in den Ferien verreisen. Das geht nun nicht. Kann ich jetzt eine Freistellung von der Arbeit zur Betreuung meiner Kinder beantragen?
Nein. Auch wenn Sie die Ferien jetzt zuhause verbringen müssen, können Sie Ihre Kinder wie geplant selbst betreuen. Es besteht daher kein Anrecht auf Erwerbsersatz, sondern Sie beziehen ganz normal Ihren Urlaub.

Ich bin Lehrerin. Unsere Schulleitung erwartet von uns, dass wir auch für die Frühlingsferien Material für die Schülerinnen und Schüler bereitstellen und für Eltern und ihre Kinder erreichbar sind. Ist das so vorgesehen?
Grundsätzlich findet in den Frühlingsferien kein Unterricht statt. Das heisst auch, dass den SchülerInnen kein Untrrichtsmaterial mitgegeben wird für diese Zeit. Auch für die SchülerInnen soll es eine Zeit der Erholung sein.
Manche Schulen bieten trotzdem Beschäftigungen für die Kinder an oder geben ihnen Auftragsideen. Sie müssen auf jeden Fall freiwillig für die SchülerInnen sein. Und auch die Lehrpersonen sollen dadurch nicht zusätzlich oder über ihr Pensum hinaus belastet werden.
Die unterrichtsfreie Zeit dient für Lehrpersonen zur Erholung und zur Kompensation der während den Schulwochen geleisteten Mehrarbeit und zum anderen zur Vorbereitung des Unterrichts (ob Fern- oder Präsenzunterricht). In der speziellen Situation fallen aber durchaus auch ausserordentliche Aufgaben an. Eine minimale Betreuung muss auch während den Ferien angeboten werden. Der VPOD empfiehlt den Schulen darüber hinaus einen Pikettdienst für Notfälle einzurichten, damit sich Eltern oder Kinder in dringenden Fällen per Mail oder zu bestimmten Zeiten per Telefon melden können, um allenfalls an zuständige Stellen weitergeleitet zu werden.
Grundsätzlich sollten die Aufgaben und Dienste in Rücksprache mit dem Team organisiert werden, da die Möglichkeiten von Person zu Person sehr unterschiedlich sind. Generell arbeiten alle nicht mehr als das angestammte Pensum. Ob in Ausnahmefällen auch ein minimaler Kontakt mit einzelnen Eltern sinnvoll ist, muss situativ entschieden werden.

Weitere Fragen? www.vpod.ch/regionen oder Enable JavaScript to view protected content.

Inblatt Schulferien in Corona-Zeiten

Downloads
07.04.2020Infoblatt Schulferien (7. April 2020)PDF (95 kB)

Infoblatt des SGB zum Elternurlaub

Downloads
08.04.2020Elternurlaub_ Infos SGBPDF (159 kB)