Kurzarbeit

Um Arbeitgebende, die wegen des neuen Coronavirus in Schwierigkeiten geraten, schnell und unkompliziert zu unterstützen, hat das Seco den administrativen Aufwand für die Meldung von Kurzarbeit im Zusammenhang mit dem Coronavirus vereinfacht.

Stand: 18.1.2022

Die wichtigsten aktuellen Regelungen sind auf dem Portal der Arbeitslosenversicherung und öffentlichen Arbeitsvermittung zu finden:

https://www.arbeit.swiss/secoalv/de/home/menue/unternehmen/versicherungsleistungen/kurzarbeit-covid-19.html

Allgemeine Informationen zur Kurzarbeit

1. Was ist Kurzarbeitsentschädigung?
Kurzarbeit ist ein Instrument zur Abfederung von schwierigen, wirtschaftlichen Situationen, mit dem Ziel Arbeitsplätze zu erhalten. Sprich: (Massen-)Entlassungen zu vermeiden. Kurzarbeit ist die vorübergehende Reduzierung oder vollständige Einstellung der Arbeit in einem Betrieb, bei der aber die arbeitsrechtliche Vertragsbeziehung bestehen bleibt.

Die Vorteile für die Arbeitnehmenden sind: Vermeidung von Arbeitslosigkeit, Aufrechterhalten des sozialen und arbeitsrechtlichen Schutzes im Arbeitsverhältnis, Beitragslücken bei der beruflichen Vorsorge werden vermieden.

2. Wie erhält man Kurzarbeitsentschädigung?
Die Arbeitgeberin/der Arbeitgeberin muss die geplante Kurzarbeit schriftlich bei der kantonalen Amtsstelle (z.B. AWA BS bzw. KIGA BL) voranmelden. Die gängige Karenzfrist wurde auf Grund des Coronavirus von 10 auf 1 Arbeitstag reduziert. Weiterhin ist eine schriftliche Zustimmung jedes einzelnen Angestellten zur Kurzarbeit nicht mehr nötig. Der Arbeitgeber / Die Arbeitgeberin muss seine Angestellten fragen, ob sie mit der Kurzarbeit einverstanden sind; wenn diese zustimmen, reicht dies als Angabe für den Antrag. Die bereits gesenkte Karenzfrist (Wartefrist) für KAE wurde vorübergehend bis am 31. März 2022 ganz aufgehoben. Damit entfällt die Beteiligung der Arbeitgeber an den Arbeitsausfällen. Im Bereich der Abwicklung der Gesuche sowie der Zahlungen von Kurzarbeit wurden ferner noch dringliche Vereinfachungen mit der Verabschiedung neuer Bestimmungen vorgenommen. Damit wird bspw. eine Bevorschussung von fälligen Lohnzahlungen via KAE möglich.

Der Kanton prüft, ob die Kurzarbeit rechtmässig ist und ob sie tatsächlich dem Erhalt der Arbeitsplätze dient. Sofern das kantonale Arbeitsamt die Kurzarbeit bewilligt, muss der Arbeitgeber die Geltendmachung bei der kantonalen Arbeitslosenkasse einreichen. Die Kasse überprüft die Anspruchsvoraussetzungen im Detail und vergütet bei positivem Bescheid anschliessend die Kurzarbeitsentschädigung (KAE) dem Arbeitgeber /der Arbeitgeberin. Die Arbeitgeberin /Der Arbeitgeber zahlt entsprechend Löhne aus.

3. Was heisst Kurzarbeitsentschädigung für die Arbeitnehmenden?
Die KAE beträgt 80% des auf die ausgefallenen Arbeitsstunden anrechenbaren Verdienstausfalls, z.B.

  • bei 100% Kurzarbeit (keine Arbeitsleistung wird erbracht) liegt die KAE bei 80% des normalen Lohns.
  • bei 50% Kurzarbeit (50% der vertraglichen Arbeitsstunden werden erbracht) wird der halbe Lohn normal ausbezahlt, die andere geschuldete Hälfte wird zu 80% als KAE entgolten.

Bsp: Lohn 6000 CHF/Monat

50% des Lohnes3000 CHF
80% KAE von 50% Lohn2400 CHF
Total5400 CHF

Der Arbeitgeber / die Arbeitgeberin kann – und das fordert der VPOD – die Einbusse von 20% übernehmen, so dass die Mitarbeitenden keinen Lohnausfall haben. Dann werden dem Arbeitgeber also 80% der Lohnkosten für die ausfallenden Arbeitsstunden von der Arbeitslosenversicherung gedeckt und den Rest übernimmt der Betrieb.

Seit dem 1. Dezember 2020 und befristet bis zum 31. Dezember 2022gilt, dass Personen mit einem Einkommen von bis zu 3470 Franken bei Kurzarbeit 100% entschädigt werden. In diesem Zeitraum beträgt bei Einkommen zwischen 3470 und 4340 Franken die Kurzarbeitsentschädigung bei vollständigem Verdienstausfall ebenfalls 3470 Franken; teilweise Verdienstausfälle werden anteilig berechnet. Die Einstufung von Teilzeitlöhnen findet anhand des auf ein Vollzeitpensum hochgerechneten Lohnes statt. Ab 4340 Franken gilt die reguläre Entschädigung von 80%.

4. Wer hat Anspruch auf KAE?

Grundsätzlich haben StundenlöhnerInnen und MonatslöhnerInnen (Teilzeit und Vollzeit) Anspruch auf KAE, ebenso wie Heimarbeitende, bei denen mindestens 10% der Arbeitsleistung entfällt/eingestellt wird, sofern mit einer regelmässigen, arbeitsvertraglich zugesicherten Anzahl Arbeitsstunden gerechnet wird. Es gibt für alle Lohngruppen ein Formular zum Ausfüllen.

Folgende Voraussetzungen müssen erfüllt werden, damit ein/e Arbeitnehmende Anspruch auf KAE hat:

  • das Arbeitsverhältnis darf nicht gekündigt sein (Art. 31 Abs. 1 lit. c AVIG)
  • Arbeitnehmer müssen nicht mehr zuerst ihre Überstunden abbauen, bevor sie von KAE profitieren können
  • der Arbeitsausfall ist voraussichtlich vorübergehend und es darf erwartet werden, dass durch Kurzarbeit die Arbeitsplätze erhalten werden können (Art. 31 Abs. 1 Bst. d AVIG)
  • die Arbeitszeit ist kontrollierbar (Art. 31 Abs. 3 Bst. a AVIG)
  • der Arbeitsausfall macht je Abrechnungsperiode mindestens 10 Prozent der Arbeitsstunden aus (Art. 32 Abs. 1 Bst. b AVIG)
  • der Arbeitsausfall wird nicht durch Umstände verursacht, die zum normalen Betriebsrisiko gehören (Art. 33 Abs. 1 Bst. a AVIG)

Wichtig zu wissen: Auch Arbeitnehmende, die in Folge des Coronavirus unter Quarantäne gestellt werden und somit nicht am Arbeitsplatz erscheinen können, haben Anspruch auf KAE wenn alle andern Voraussetzungen (oben) erfüllt sind und keine andere Sozialversicherung (z.B. Krankenversicherung) Leistungen erbringt.
Arbeitnehmende, die ihre Arbeitsleistung aus persönlichen Gründen (bspw. Krankheit, Angst vor Ansteckung oder familiäre Verpflichtungen, z.B. Pflege Familienmitglied im Krankheitsfall, Betreuung der Kinder bei Schliessung von Schulden/Horten/etc) nicht erbringen, haben keinen Anspruch auf KAE.

Keinen Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung (KAE) haben:

  • der Geschäftsführer/die Geschäftsführerin, Direktionsmitglieder und Mitglieder des obersten betrieblichen Entscheidungsgremiums. In der Regel gehören dazu die Einzelunterschriftsberechtigten sowie jene, die massgeblich finanziell an einem Betrieb beteiligt sind.
  • Arbeitnehmende im Pensionsalter (ab dem Folgemonat, in welchem das AHV-Rentenalter erreicht wird)
  • Arbeitnehmende in einem gekündigten Arbeitsverhältnis, unabhängig davon, welche Vertragspartei gekündigt hat und nur während der Zeit der vertraglich vereinbarten Kündigungsfrist. Bei frühzeitiger Kündigung besteht somit bis zum Beginn der Kündigungsfrist noch Anspruch. Bei fehlender vertraglicher Kündigungsfrist gilt die gesetzliche Kündigungsfrist.
  • in einem Arbeitsverhältnis auf Abruf, wenn Pensum im Durchschnitt mehr als 20% schwankend und das Arbeitsverhältnis im Unternehmen weniger als sechs Monate gedauert hat
  • keinen bestimmbaren Ausfall erleiden oder deren Arbeitszeit nicht ausreichend kontrollierbar ist, weil sie beispielsweise keiner Arbeitszeitkontrolle unterstehen.
  • Mitarbeitende, die der Kurzarbeit nicht zugestimmt haben. Diese sind nach dem Arbeitsvertrag zu entlöhnen.

Wichtig zu wissen: Falls einem von Kurzarbeit betroffenen Mitarbeitenden eine Kündigung während oder unmittelbar nach der Kurzarbeit ausgesprochen wird, kann sie/er den erlittenen Lohnausfall durch die KAE-Massnahme nachträglich für die gesamte Zeit der Kurzarbeit vom Arbeitgeber nachfordern. Grund der Kurzarbeits-Massnahme ist der Erhalt von Arbeitsplätzen. Bei einer Kündigung ist der Zweck der Kurzarbeit nachträglich dahingefallen.

5. Muss ich als Arbeitnehmende/r meine Zustimmung geben?
Arbeitnehmende dürfen Kurzarbeit verweigern. Dann muss der Arbeitgeber/die Arbeitgeberin den vollen Lohn weiter ausrichten. Allerdings haben diese Mitarbeitenden dann keinen besonderen Schutz vor Kündigung (siehe oben “Voraussetzung für Anspruch KAE ist ungekündigtes Arbeitsverhältnis”).
Die Zustimmung zur Kurzarbeit über die PEKO/PV/BEKO/PA oder der Gewerkschaft genügt nicht, sondern setzt die Zustimmung des einzelnen Mitarbeitenden oder eine entsprechende Grundlage in einem Gesamtarbeitsvertrag voraus. Allerdings wurde auf Grund von Corona die Bestimmung über die Zustimmung gelockert: Nicht jeder einzelne Mitarbeitenden muss eine schriftliche Zustimmung erteilen, sondern das mündliche Einverständnis gegenüber dem Arbeitgeber reicht aus. Ist sich die Behörde nicht sicher, ob die Mitarbeitenden einverstanden sind, kann eine schriftliche Zustimmungserklärung nachgefordert werden, diese muss aber nicht zur Antragsstellung vorliegen.

Der VPOD empfiehlt im Sinne der Solidarität, aber auch zur Vermeidung von Entlassungen und für euren Schutz, Kurzarbeit zuzustimmen. Wir stehen dir bei Fragen dazu gerne beratend zur Seite.

6. Ermittlung anrechenbarer Arbeitsausfall (Formulare)
Für die Ermittlung des anrechenbaren Arbeitsausfalles sind die in den letzten 6 Monaten vor Geltendmachung von Kurzarbeitsentschädigung geleisteten Mehrstunden zu berücksichtigen. Dazu zählen alle Mehrstunden, Überstunden, Überzeit etc., egal ob diese ausbezahlt wurden, als Guthaben in der Zeiterfassung auftauchen oder nicht kompensiert werden können. Damit wird verhindert, dass Betriebe zunächst Mehrarbeit leisten und anschliessend Kurzarbeit anmelden.
Bitte überprüft – oder fragt bei uns dafür nach – ob die Berechnungen des Betriebs auf dem jeweiligen Formular korrekt sind.

7. Wie lange darf die Kurzarbeit andauern?
Die Höchstdauer für den Bezug von KAE wurde bis Februar 2022 befristet auf 24 Monate pro Rahmenfrist erhöht. Ab März 2022 gilt wieder, dass innerhalb von zwei Jahren für maximal 12 Monate KAE ausgerichtet wird. Ein monatlicher Arbeitsausfall von mehr als 85 % ist nur während längstens 4 Monaten anrechenbar, mit Ausnahme der Monate im Zeitraum März 2020 bis und mit März 2021, die zusätzlich voll anrechenbar sind.

8. Muss ich zuerst Überstunden abbauen?
Nein, neu gilt, dass Arbeitnehmer nicht mehr zuerst ihre Überstunden abbauen müssen bevor sie von Kurzarbeitsentschädigungen profitieren können (bis Ende März 2022).

9. Meine Kollegin ist nicht betroffen – kann sein?
Kurzarbeit muss nicht für die gesamte Firma gesprochen werden, sondern kann auch nur einzelne Bereiche/Abteilungen betreffen.

10. Können öffentlich-rechtliche Institutionen Kurzarbeit anmelden?
In der Regel sind die Anspruchsvoraussetzungen bei öffentlich-rechtlichen Betrieben nicht gegeben, da sie kein eigentliches Betriebsrisiko tragen. Allerdings kann der Anspruch im Einzelfall nicht von vorneherein völlig ausgeschlossen werden, daher ist im Einzelfall zu prüfen ob KAE gewährt werden kann (BGE 121 V 362).
Wenn öffentlich-rechtliche Arbeitgeber ihre Aufgaben unabhängig von der wirtschaftlichen Situation erbringen müssen (Leistungsaufträge) und Verluste, Mehrkosten, Engpässe mit Hilfe öffentlicher Mittel aufgefangen werden, ist davon auszugehen, dass der Anspruch auf KAE entfällt (ARV 1996/1997 S.122). Da es hier aber um die wirtschaftliche Grundlage für KAE geht, erachten wir es in der Corona-Krise für empfehlenswert, dass auch öffentlich-rechtliche Arbeitgeber in Kontakt mit den Behörden betreffend KAE treten, wenn dies angezeigt ist. Um so mehr, wenn die Schliessung von Abteilungen oder des Betriebes auf Grund einer behördlichen Anordnung erfolgt.
Wir weisen aber darauf hin, dass die KAE im Grundsatz für privatrechtliche Arbeitsverhältnisse vorgesehen ist.

11. Wird ein Zwischenverdienst an die KAE angerechnet?
Um die Auszahlungsverfahren der KAE während der ausserordentlichen Lage zu vereinfachen und zu beschleunigen, hat der Bundesrat beschlossen, dass Einkommen aus einer Zwischenbeschäftigung während der Kurzarbeit nicht mehr an die KAE angerechnet werden (bis Ende März 2022). Für Arbeitnehmende wird mit dieser Anpassung ein finanzieller Anreiz geschaffen, in Bereichen, die im Moment einen hohen Bedarf an Personal haben, eine Zwischenbeschäftigung anzunehmen. Viele Unternehmen suchen zum gegenwärtigen Zeitpunkt dringend neues Personal, insbesondere im Gesundheitswesen, der Landwirtschaft oder der Logistik.

12. Weitere Fragen?
Dann wende dich an das »zuständige VPOD- Regionalsekretariat oder schreibe uns