Schon wieder Nullrunde an der ETH

Von: Natascha Wey

Mehr Einsatz und mehr Qualität, aber weniger Lohn? Diese Rechnung des ETH-Rats kann unmöglich aufgehen.

Konnte - im Gegensatz zum heutigen Schweizer Parlament - rechnen: Albert Einstein (Student und später Ordinarius an der ETH Zürich). (Foto: Ferdinand Schmutzer)

Die Ausgangslage für die Lohnverhandlungen mit dem ETH-Rat war, wie bereits in den Vorjahren, schwierig. Im März hatte der Bundesrat im Rahmen der Botschaft zur Förderung von Bildung, Forschung und Innovation (BFI) bekanntgegeben, den Zahlungsrahmen der ETH und EPFL gegenüber dem ursprünglichen Finanzplan um rund 830 Millionen zu reduzieren. Der ETH-Rat reagiert prompt auf diese Hiobsbotschaft: Die Mittel für individuelle Lohnerhöhungen wurden von 1, 2 auf 0,8 Prozent gesenkt.

Reale Verhandlungssituation gefordert

Der VPOD und der PVB waren mit diesen Massnahmen absolut nicht einverstanden. Trotz Spardruck hatte die ETH ihre strategischen Ziele nicht angepasst. Das Signal an das Personal war damit klar: Ihr müsst mehr Einsatz bringen für mehr Qualität, kriegt dafür aber weniger Lohn.

Mehr Einsatz, mehr Qualität aber weniger Lohn. Die Forderung der Verbände für die Lohnverhandlungen war daher klar: 1 Prozent mehr Lohn, alternativ kompensierbar mit mehr Ferien. Zudem wurde kommuniziert, dass die geplante Senkung der individuellen Lohnsteuerung von 1,2 auf 0,8 Prozent inakzeptabel ist und einem kalten Lohnabbau gleichkommt. Gefordert wurde überdies eine reale Verhandlungssituation mit einer Verhandlungsmasse, die über den Erhalt des Status quo hinausgeht. Die Personalverbände VPOD und PVB sehen es als Aufgabe des ETH-Rates, das Budget so zu gestalten, dass auch in schwierigen finanziellen Zeiten Spielraum für das Personal vorhanden ist.

Im September veränderte sich die Ausgangslage erneut: Das Parlament folgte überraschenderweise den Vorschlägen des Bundesrates und sprach zusätzliche 160 Millionen Franken. Damit gestaltet sich die Finanzsituation der ETH besser als Anfang Jahr gedacht. Unsere Forderungen sind auch unter dem Gesichtspunkt des prognostizierten Überschusses des Bundes von 2,2 Milliarden Franken zu verstehen.

.Kein Einlenken seitens ETH-Rat

Umso enttäuschender ist das erzielte Verhandlungsergebnis. Der ETH-Rat spricht sich auch dieses Jahr für eine Nullrunde aus. Konkret heisst dies: keine Nominallohnerhöhung für das Personal, keine zusätzlichen Leistungen mit Kostenfolgen, also auch nicht mehr Ferien. Immerhin wird die individuelle Lohnsteuerung von 1,2 Prozent belassen. Der VPOD wertet dies nicht als Erfolg, sondern als Beibehaltung des Status quo. Begründet wurde der demotivierende Entscheid mit Sachzwängen und der finanziellen Lage des Bundes.