Neuenburger Lehrkräfte: Teilerfolg durch Streik

Die Neuenburger Lehrpersonen haben nach vier Streiktagen einen Teilerfolg erzielt: Es gibt Verbesserungen bei den Arbeitsbedingungen. Der Streik ist deshalb einstweilen auf Eis gelegt. Die vom VPOD angeführte Mobilisierung ist für Neuenburg beispiellos.

Erfolg für die Neuenburger Lehrkräfte nach vier Streiktagen. (Foto: Eric Roset)

Nach einem vierten Streiktag haben die Streikenden Ende November beschlossen, ihren Streik auszusetzen. Beim Lohnsystem lenkte die Regierung zwar nicht ein, bei den Arbeitsbedingungen haben die Streikenden jedoch seit langem erhoffte Verbesserungen erreicht.

Mittwoch, 30. November, 7 Uhr in der Früh: Mit Kerzen und Spruchbändern in der Hand protestieren im Schlosshof zu Neuenburg erneut rund 400 Lehrerinnen und Lehrer. Es ist ihr vierter Streiktag. Die Regierung empfängt zur selben Zeit die Gewerkschaften. Sie hält eisern am neuen Lohnsystem fest, das den Unterrichtenden einen empfindlichen Lohnabbau aufbürdet. Bei den Arbeitsbedingungen jedoch ist die Regierung angesichts der entschiedenen Mobilisierung zurückgekrebst.

Die letzte Verhandlungsrunde brachte Verbesserungen: eine Entlastung für Klassenlehrkräfte und für Unterrichtende, die 2015 und 2016 Lohnabbau hinzunehmen hatten. Die erreichten Zugeständnisse zusammen kosten mehrere Millionen Franken. "Das ist nicht nichts", kommentiert Claude Grimm, zuständige VPOD-Sekretärin. Die Lehrkräfte erwarten nun, dass der Regierungsrat diesen Kompromiss auch im Parlament verteidigt.

Anschliessend haben der VPOD und der ebenfalls involvierte Neuenburger Lehrerverband (SAEN) beschlossen, den Streik auszusetzen und die Vorschläge zu akzeptieren. Endlich hätten sie sich Gehör verschaffen können, sagen die Unterrichtenden. Claude Grimm: "Wir haben eine Stärke, die auch für die Zukunft noch einiges verspricht." Und fügt bei, dass die Bewegung von neuem anrollen werde, wenn einzelne Punkte der Vereinbarung nicht umgesetzt würden.

Noch nie hat es in der Neuenburger Schule einen solchen Massenprotest gegeben. An den vier Streiktagen versammelten sich jeweils 400 bis 600 Unterrichtende. Und auch jene, die nicht streikten, waren aktiv; so schrieben sie etwa den Eltern, dass sie den Streik unterstützten. Das massive Engagement erstaunt nicht, denn das Lehrpersonal in Neuenburg ist seit Jahren Sparübungen unterworfen - und im schweizerischen Vergleich erst noch schlecht entlöhnt. Gekämpft aber haben die Neuenburger Lehrpersonen nicht nur für ihre Arbeit, sondern auch für eine hochstehende Bildung als Aufgabe eines Service public, der den Jugendlichen so das Terrain einer möglichst guten Zukunft vorbereitet.