Halbherziger Pflegeurlaub: Das Hauptproblem bleibt ungelöst

Alles tun - das geht nicht. Daher braucht es echte Entlastung für pflegende Angehörige.

Von: Christine Flitner/ VPOD

Die Unterstützung pflegender Angehöriger gehört zu den wichtigen Themen, wenn es um Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Betreuungsaufgaben geht. Die vorgelegten Lösungen gehen aber am grössten Problem vorbei: die Betreuung von erwachsenen Angehörigen wird nicht wirklich unterstützt.

Für die Pflege von länger erkrankten Kindern soll es jetzt eine Lösung geben in Form eines 14-wöchigen Pflegeurlaubs, der wie der Mutterschaftsurlaub über die EO finanziert wird. So hat es der Nationalrat jetzt entschieden und die Vorlage an den Ständerat weitergereicht. Das ist zu begrüssen, auch wenn 14 Wochen bei schwer erkrankten Kindern immer noch zu wenig sind.

Für die Pflege von erwachsenen Angehörigen gibt es jedoch keine nennenswerte Entlastung. Im Gegenteil: Die bereits bestehende Regelung (bis zu 3 Tage bezahlt bei Krankheit von abhängigen Familienmitgliedern) wird eingeschränkt auf höchstens 10 Tage im Jahr. Das wäre eine klare Verschlechterung, da bisher die Regelung gilt, dass bis zu 3 Tagen pro Krankheitsfall zu gewähren sind.

Rund 330 000 Personen im Erwerbsalter übernehmen regelmässig Betreuungsaufgaben für Angehörige (im Vergleich zu ca. 8000 Familien mit schwer behinderten Kindern – gemäss Zahlen von 2014). Es ist nicht verständlich, dass der vorliegende Gesetzesentwurf darauf nicht eingeht, sondern nur die Möglichkeit von kurzen Abwesenheiten regeln möchte.

Wie schon beim Vaterschaftsurlaub zeigt sich, dass das Parlament in Fragen der Vereinbarkeit nur zu halbherzigen Lösungen bereit ist, die wohl Problembewusstsein signalisieren sollen, aber nicht wirklich zur Verbesserung der Situation beitragen.

Der VPOD fordert einen echten Urlaub und die Möglichkeit zur Pensenreduktion für pflegende Angehörige, damit die Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Angehörigenbetreuung ernsthaft verbessert wird.

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