Coronavirus und Exitstrategie: Die Hauptlast trägt das Gesundheitspersonal

Es braucht mehr als schöne Worte fürs Gesundheitspersonal, auch beim Universitätsspital Basel.

Von: Elvira Wiegers/ VPOD

Schon seit 5 Wochen kämpft ein Teil des Gesundheitspersonals Tag und Nacht um das Leben schwer erkrankter COVID-19-PatientInnen. Jetzt braucht es dafür eine gerechte Anerkennung! Der VPOD fordert, die ausserordentliche Leistung des Personals im Gesundheitsbereich anzuerkennen und aufgrund der beträchtlichen Gesundheitsrisiken eine Sonderzulage im laufenden Jahr auszuzahlen, dies etwa in Form eines 14. Monatslohnes.

Schon seit 5 Wochen kämpft ein Teil des Gesundheitspersonals Tag und Nacht um das Leben schwer erkrankter COVID-19-PatientInnen. Pflegefachleute, FaGe, PflegeassistentInnen, RettungssanitäterInnen, das Personal der Bereiche Reinigung und Krankentransporte sowie zahlreiche Personen aus anderen Bereichen spielen eine entscheidende Rolle bei der Bewältigung der Krise. Tag für Tag nehmen Stress und Erschöpfung in einem Klima der Ungewissheit zu. Da bei Weitem nicht alle Mitarbeitenden auf das Covid-19-Virus getestet wurden weiss niemand, wie viele Angestellte infiziert worden sind. Unklar ist auch, ob Covid-19-Erkrankte nach einer ersten Infektion immun sind und welche Nachwirkungen auftreten können. Wir wissen aber, dass die Gesundheitskrise andauern wird und sich kein Ende abzeichnet. Die kommenden Monate müssen also weiterhin Covid-19-PatientInnen mit unterschiedlichen Schweregraden in Spitälern versorgt, BewohnerInnen in den Alters- und Pflegeheimen gepflegt und Kranke zuhause begleitet werden.
In den ersten Wochen der Krise hat das Personal zuerst mit Erstaunen und danach mit grosser Besorgnis festgestellt, dass es in der Schweiz an qualifiziertem Personal fehlt, insbesondere in der Intensivpflege, aber auch an Schutzmaterial – selbst einfache chirurgische Masken fehlen – und an Medikamenten. Besonders in den Heimen wurde sichtbar, dass das Personal wegen der grossen Defizite bei der Weiterbildung nun riesige Probleme bei der Bewältigung der Krise hat. Dies alles sind die Folgen jahrelanger Sparmassnahmen, nicht zuletzt verursacht durch die Einführung von Wettbewerb im Gesundheitswesen.
Zwar hat der Bundesrat Mitte März einen Teil der wirtschaftlichen Aktivitäten eingestellt, was eine vernünftige und offenbar wirksame Massnahme darstellte. Gleichzeitig hat er in den Spitälern wesentliche Bestimmungen des Arbeitsgesetzes ausser Kraft gesetzt. Diesen Entscheid hat der VPOD vehement angefochten, denn er gefährdet dasjenige Personal, das die Hauptlast der Corona-Krise trägt. Trotz der ausserordentlichen Belastung in der Intensivpflege wurden gleichzeitig andere Bereiche stillgelegt. Privatkliniken erhielten die Erlaubnis, Kurzarbeit einzuführen. So gibt es heute gleichzeitig Personal ohne Arbeit und Mitarbeitende am Anschlag. Es ist dieses Gesundheitssystem, das auf Konkurrenz zwischen verschiedenen Einrichtungen basiert und zu diesem Unsinn führt.
Der VPOD ist der Ansicht, dass eine Koordination des Gesundheitspersonals auf Kantons- und Bundesebene es ermöglicht hätte, die Gesundheitsversorgung in Übereinstimmung mit dem Arbeitsgesetz zu organisieren. Immerhin erlaubt dieses bereits Wochen mit mehr als 50 Arbeitsstunden. Da die Krise bei Weitem noch nicht überstanden ist und sich eine grosse Anzahl an Covid-19-Erkrankten in den Alters- und Pflegeheimen befindet, fordert der VPOD eine verstärkte Zusammenarbeit der Gesundheitseinrichtungen.


Nächster Schritt: eine gerechte Anerkennung des Gesundheitspersonals
Am 16. April 2020 hat der Bundesrat die schrittweise Aufhebung der ausserordentlichen Massnahmen ab dem 27. April angekündigt, ohne jedoch das Arbeitsgesetz in den Spitälern wieder vollumfänglich in Kraft zu setzen. Gleichzeitig können ab diesem Termin alle Spitäler und ambulante Arztpraxen ihre nicht dringenden Behandlungen wieder aufnehmen. Der Bundesrat kündigte auch die Wiedereröffnung der Schulen ab dem 11. Mai an. Diese Beschlüsse könnten zu einer Überlastung des Gesundheitspersonals führen, falls die Gesundheitsversorgung nicht auf Ebene der Kantone und des Bundes koordiniert wird.
Andererseits begrüsst der VPOD den Entscheid des Bundesrats, den gefährdeten Personen endlich die Möglichkeit zu geben, zuhause zu bleiben, falls sie nicht im Home-Office-Modus arbeiten können und sie der Meinung sind, dass die Schutzmassnahmen an ihrem Arbeitsplatz unzureichend sind.
Bis heute gibt es vom BAG keine Zahlen zur Infektions- und Erkrankungsrate des Pflegepersonals. Dabei ist aus anderen Ländern bekannt, dass das medizinische Personal besonders häufig und besonders stark erkrankt. Der VPOD fordert seit Ausbruch der Pandemie, den Gesundheitszustand bzw. die Erkrankungen des Personals systematisch zu überwachen und regelmässig darüber Bericht zu erstatten.

Die Corona-Krise macht die prekären Arbeitsbedingungen des Gesundheitspersonals sichtbar:

  • Arbeit ohne ausreichende Schutzmittel infolge Materialmangel;
  • Tägliche Änderung der Arbeitszeiten, Verzicht auf zu stehende Ruhetage, Zustimmung zu Überstunden, die in kurzer Abfolge geleistet werden müssen;
  • Änderung der Pflichtenhefte von einem Tag auf den anderen;
  • Schnelle Einarbeitung in komplizierte Pflegeabläufe und Konfrontation mit einem bisher völlig unbekannten Virus;
  • Täglicher Kontakt mit sehr ansteckenden Personen und Angst, die Angehörigen anzustecken.

Der VPOD fordert, die ausserordentliche Leistung des Gesundheitspersonals anzuerkennen und aufgrund der beträchtlichen Gesundheitsrisiken eine Sonderzulage im laufenden Jahr auszuzahlen, dies etwa in Form eines 14. Monatslohnes.
Der VPOD wird sich zudem vehement dafür einsetzen, dass das Gesundheitspersonal auch im Hinblick auf die alltäglichen beschwerlichen Arbeitsbedingungen im Dienst der gesamten Bevölkerung endlich gerecht entlöhnt wird und dass sich seine Arbeitsbedingungen deutlich verbessern.

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