Der VPOD unterstützt die Forderung von Amnesty international

Von: Elvira Wiegers / Beatriz Rosende

Eine Untersuchung des Gesundheitszustands des Gesundheitspersonals ist dringend notwendig

Nach der ersten Covid-19-Welle im Frühling hatten wir die Hoffnung, dass die Botschaft angekommen sei: der Service public ist nicht nur ein «Kostenfaktor». Er stellt in erster Linie alle Berufsgruppen dar, die diesen neuen Virus bekämpft haben, oft ohne genügende Schutzmassnahmen. Von diesen Leuten sind eine gewisse Zahl an Covid-19 erkrankt, andere stecken sich weiter an: mehr wissen wir nicht. Wie viele sind es? Was sind die Folgeerscheinungen? Welche zusätzlichen Konsequenzen ergeben sich aus der Situation übermässiger physischer und psychischer Belastung?

Während ein paar Wochen konnten wir von einer Zukunft nach dem Coronavirus träumen: von einer anderen Welt, mit neuen Spielregeln. Wir stellten uns vor, wir wären auf dem Feld «Gewinn einer Corona-Prämie» gelandet, welches uns Anrecht auf eine «Aufwertung aller Gesundheitsberufe» gegeben hätte. Oder auf dem Feld «Einstellung von Arbeitskräften zur Behebung des Personalmangels». Unsere Erwartung war, dass unsere Arbeitsbedingungen in den Mittelpunkt der Debatten rücken würden.

Kaum war die erste Covid-19-Welle vorbei, kam das Absurde der alten Welt wieder zum Vorschein. Lange vor Abschluss der eigentlichen Jahresrechnungen der Spitäler sollen die angekündigten Defizite in Sparprogrammen, Lohnsenkungen, Schliessungen von Betten usw. resultieren.

Gleichzeitig war die vor Monaten angekündigte zweite Welle bereits im Anmarsch. Es wurde jedoch nichts unternommen, damit das Gesundheitspersonal, das gerade eine Reihe von stressigen Wochen in den Spitälern, Heimen oder in der Spitex hinter sich hatte, Wertschätzung erfährt. Es wurden kaum oder keine Prämien ausbezahlt, keine Aufwertung der Arbeitsbedingungen oder Löhnen vorgenommen und auch keine Zeit für Ausbildungen gewährt. Sowohl die Kantone wie auch der Bund haben uns die Mittel verweigert, um auf eine andere Art und Weise der zweiten Welle die Stirn zu bieten.

Wir haben höhere Personalbestände, eine Sonderfinanzierung, Koordination anstatt Konkurrenzdenken und genügendes Schutzmaterial verlangt. Anstatt auf unsere Forderungen einzugehen wurde lang und breit über die Qualität der Atemschutzmasken, über die Verpflichtung, die Masken zu tragen oder nicht, über die Konzentration von Jugendlichen in Diskotheken, über die Bugs in den Contact-Tracing-Apps und über den Abstand zwischen den Tischen in den Bistros debattiert. Schlussergebnis: Heute befinden wir uns in der gleichen Unsicherheit wie im Frühling. Werden unsere Intensivstationen wieder überlastet sein? Müssen wir in den Spitälern wieder eine Triage der Corona-Patienten vornehmen und entscheiden, wer Anrecht auf Pflege hat?

Als Antwort auf die Wirtschaftskrise hat der Bundesrat 71 Milliarden Franken bereitgestellt. Das Parlament hat 14,2 Milliarden Franken für die Arbeitslosenversicherung freigegeben, die mit einer Explosion von Fällen von Kurzarbeit konfrontiert ist, wobei den öffentlichen Spitälern Kurzarbeitsentschädigungen verweigert wurden. Auf der anderen Seite lehnt der Bundesrat es ab, das wegen der Covid-19-Krise entstandene Finanzloch der öffentlichen Spitäler von etwa 3 Milliarden Franken zu stopfen!

Damit das öffentliche Gesundheitswesen der zweiten Pandemie-Welle mit Respekt für die PatientInnen, Familien und das Personal entgegentreten kann, muss der Bund eine Sonderfinanzierung freigeben. Die Bundesfinanzen, die sich im internationalen Vergleich an der Spitze befinden, ermöglichen eine solche Lösung problemlos. Dieselben Finanzen machen auch die Durchführung der von Amnesty International geforderten Untersuchung möglich: Die daraus gewonnen Daten sollen dazu dienen, die Gesundheitspolitik unseres Landes auf ein anderes Modell auszurichten, auf ein Modell, das die Gesundheit des Personals und die Verpflichtungen des öffentlichen Dienstes respektiert. Unsere Arbeitsbedingungen bestimmen die Qualität der Gesundheitsversorgung.

Beatriz Rosende, secrétaire centrale SSP, tél 076 308 52 18

https://ssp-vpod.ch/campagnes/ensemble-avec-le-personnel-de-sante/

Elvira Wiegers, Zentralsekretärin VPOD, mobile 079 242 06 67

https://vpod.ch/campa/gemeinsam-mit-dem-gesundheitspersonal

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