VPOD fordert Massnahmen und schnelles Umdenken

Von: Stefan Giger, Natascha Wey, Christine Flitner

Während die einen Ski fahren, stehen die anderen an der Grenze zur Erschöpfung, insbesondere das Personal in den Spitälern, den Heimen, der Spitex. Für die Mitarbeitenden ist die aktuelle Situation psychisch und physisch erschöpfend – auch weil sie bereits lange andauert und weil man nicht weiss, wann sie endet. Das Gesundheitspersonal fordert, dass umgehend drastische und koordinierte Massnahmen ergriffen werden, damit die Situation in den Spitälern und Heimen handhabbar bleibt. Ausserdem braucht es eine grundsätzliche Lösung der Probleme im Gesundheitswesen.

Im Oktober organisierte der VPOD in einem breiten Bündnis mit weiteren Organisationen eine Protestwoche im Gesundheitsbereich mit klaren Forderungen: Applaus reicht nicht, die strukturellen Mängel im Gesundheitsbereich müssen behoben werden, erst recht angesichts der bevorstehenden zweiten Welle.

Von Verbesserungen ist nichts zu spüren, die Politik nimmt die Arbeitnehmenden nach wie vor nicht ernst. Dem Personal im Gesundheitswesen fehlt die Anerkennung der aktuellen Notsituation. Während die Politik im März Versprechungen machte, herrscht heute Schweigen. Das Personal leidet unter unterdotierten Stellenplänen, tiefen Löhnen und unzureichendem Gesundheitsschutz. Die steigenden Fallzahlen führen zu einer Sterbewelle in Altersheimen und zu vollen Intensivstationen. Für die Mitarbeitenden ist die aktuelle Situation psychisch und physisch erschöpfend. Doch statt Pausen und Ruhephasen bieten einige Arbeitgeber sogar Mitarbeitende aus der Quarantäne oder symptomfreie infizierte Angestellte zur Arbeit auf, um die Personalknappheit zu bewältigen. Das alles ohne Rechtsgrundlage, dafür mit unverantwortlichen Ansteckungsrisiken für Mitarbeitende, PatientenInnen und BewohnerInnen. Der Bund weigert sich, dagegen etwas zu unternehmen. Kein Wunder steigen die Fallzahlen.

Die Politik wäre gefragt, doch in der interkantonalen Zusammenarbeit fehlt Koordination und herrscht Chaos. Die Westschweizer Kantone erreichten mit der zweiten Welle früher die Belastungs- und Kapazitätsgrenzen in den Spitälern und Heimen, gleichzeitig wehrten Spitäler der noch verschonten Kantone die Aufnahme von Covid-PatientInnen ab. Der Wettbewerb im Gesundheitsbereich begünstigt solche Entwicklungen. Auch das nationale Parlament trägt nichts zur Verbesserung der Situation bei und weigert sich noch immer, die finanziellen Lasten der Spitäler, Heime und Spitexdienste auszugleichen. Die Mitarbeitenden sind erschöpft, krank und entmutigt. Gleichzeitig sorgen sich die Spitalleitungen um Defizite und die Wirtschaftsprüfer plädieren mitten in der Pandemie für die Schliessung von Akutstationen.

Für das Personal im Gesundheitswesen ist klar: Nur noch mit drastischen Massnahmen kann diese extreme Situation beendet werden. Wie anders kann die Epidemie jetzt noch eingedämmt werden? Wie soll die Zahl der Todesfälle reduziert werden? Wie können Notfälle noch behandelt werden, wenn die Ansteckungen nicht gebremst werden? Für viele Menschen sind die notwendigen harten Massnahmen aber kaum tragbar, da sie einen Teil ihres Einkommens oder sogar ihren Arbeitsplatz verlieren werden.

Die grundsätzlichen Probleme im Gesundheitswesen müssen angegangen werden.

  • Es braucht dringende Zusatzfinanzierung für Spitäler, Heime, Spitexdienste für die Bewältigung der Pandemie;
  • Das verkorkste System der Fallpauschalen in der Spitalfinanzierung muss abgeschafft werden
  • Das System der Gewinnmaximierung und Profitorientierung hat im Gesundheitswesen nichts zu suchen.

 

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