Recht auf Bildung immer und überall!

Von: Fabio Höhener

Die Gewerkschaft VPOD ist angesichts der aktuellen Bedrohungslage in Afghanistan über die Sicherheit von Schüler:innen und Lehrpersonen besorgt. Neben der Bedrohung an Leib und Leben ist der Zugang zu gleichberechtigter Bildung, insbesondere für Mädchen und Frauen, in Gefahr. Der VPOD fordert in einem Brief den Bundesrat auf, sich für den Schutz von gefährdeten Menschen und das Recht auf Bildung einzusetzen.

Nach der Machtübernahme der Taliban ist der gefahrenlose Zugang der Menschen in Afghanistan zu Bildung bedroht. Gemeinsam mit der Bildungsinternationalen (BI) - dem Dachverband von vierhundert Bildungsgewerkschaften aus 170 Ländern - fordert die Verbandskommission Bildung, Erziehung und Wissenschaft (BEW) des VPOD von der internationalen Gemeinschaft und dem Bundesrat, alles zu tun, um die betroffenen Menschen zu schützen. Die VPOD-Kommission der Angestellten im Bildungsbereich drückt zudem ihren Schwestergewerkschaften National Teachers Elected Council of Afghanistan (NTEC) und Afghanistan Teacher Support Association (ATSA) ihre Solidarität aus.

«Wir sind schockiert über Berichte, dass in einigen Provinzen Mitglieder der Bildungsinternationalen, die sich aktiv für den Bildungszugang für Mädchen eingesetzt haben, von den Taliban angegriffen werden und um ihr Leben fürchten müssen», sagt Fabio Höhener, Gewerkschaftssekretär Bildungsbereich des VPOD, und fordert den Bundesrat dazu auf, sich für den Schutz der gefährdeten Menschen einzusetzen.

Nach Angaben der UNESCO bleiben die staatlichen Schulen in Afghanistan geschlossen, bis die neue Taliban-Regierung eingesetzt wurde. Die Taliban sind dafür berüchtigt, Schulen und Bildungseinrichtungen anzugreifen. So meldete die UNO in den Jahren 2019 und 2020 132 Angriffe auf Schulen und Lehrkräfte. In 25 Fällen wurden Beschäftige im Bildungsbereich verletzt und entführt. Während der letzten Machtausübung von 1996 bis 2001 verwehrte die Taliban durch ein diskriminierendes System der Geschlechtertrennung Mädchen und Frauen den Zugang zu Bildung. Auch jetzt ist der Zugang zu Bildung, insbesondere für Frauen und Mädchen, behindert. In vielen von den Taliban kontrollierten Regionen dürfen Frauen nicht mehr unterrichten und Mädchen sind vom Schulbesuch ausgeschlossen.

In den letzten Jahren hat sich der Zugang von Mädchen zur Bildung verbessert, nicht zuletzt dank des erfolgreichen Kampfes der Frauen. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass diese Errungenschaften erhalten bleiben und die Bemühungen fortgesetzt werden, damit alle Mädchen in Afghanistan eine hochwertige säkulare Bildung erhalten.

Die Verbandskommission BEW des VPOD ruft den Bundesrat dazu auf:

  • in Kooperation mit anderen Regierungen und internationalen Organisationen ihr Möglichstes zu tun, damit Bildungseinrichtungen auch in Konfliktzeiten geschützt und Schulen als sichere Zufluchtsorte respektiert werden;
  • internationale humanitäre Bemühungen und Bildungsinitiativen zu unterstützen, eigene Programme zu lancieren und die nötigen finanziellen Mittel zu sprechen, um die dringende Hilfe zu gewährleisten.
  • die Evakuierung von gefährdeten Afghan:innen zu unterstützen. Dazu gehören auch Lehrpersonen und Gewerkschaftsvertreter:innen, die sich für das Recht auf Bildung eingesetzt haben und nun ins Visier der Taliban geraten sind.
  • Studierenden und Wissenschaftler:innen aus Afghanistan, die Fortsetzung ihres Studiums und ihrer Arbeit in der Schweiz zu ermöglichen.
Downloads
02.09.2021Leben und das Recht auf Bildung schützenPDF (116 kB)