Petition Academia - für mehr Dauerstellen im Hochschulbereich

Von: Fabio Höhener

Heute wurde die Petition Academia mit mehr als 8'400 Unterschriften in Bern überreicht. Denn: es braucht mehr Dauerstellen für Daueraufgaben.

Auch wenn die Hochschule in der Öffentlichkeit oft als Elfenbeinturm dargestellt wird: Die Arbeitssituation der hier Beschäftigten unterscheiden sich in vielen Punkt nicht grundsätzlich von derjenigen in vielen anderen Tätigkeitsbereichen: Seit Jahren machen sich Kostendruck und Abbaumassnahmen auch hier bemerkbar, zu Lasten der Beschäftigten. Zusätzlich kommen noch spezifische Schwierigkeiten wie befristete Anstellungen, Kettenarbeitsverträge, unsichere Lebensplanung usw. Auf einige dieser Punkte sind meine Vorredner:innen bereits eingegangen.

Nun hat sich die Situation während der Pandemie noch verschärft. Für eine lange Dauer war es schwierig bis unmöglich Forschungsarbeiten durchzuführen, da bspw. Studienorte nicht zugänglich und Archive oder Bibliotheken geschlossen waren. Aus diesem Grund hat sich eine Delegation des VPOD im vergangenen Mai mit der Spitze des Schweizerischen Nationalfonds getroffen und unter anderem gefordert, die Förderungsdauer von Projekten und damit die Anstellungen von Forschenden zu verlängern, deren Forschungsprojekte pandemiebedingt ins Stocken geraten sind. Die Antwort des SNF war ernüchternd. Das Institut das jährlich eine Milliarde Franken in Forschung investiert, sieht sich nicht in der Verantwortung, gute Arbeitsbedingungen der Forschenden zu garantieren – sie seien ja nicht deren Arbeitgeber. Und die Universitäten als eigentlichen Arbeitgeber spielen den Ball wieder zum SNF zurück. Erst durch deren Fördergelder sind Anstellungen überhaupt möglich. Für diesen allgemeinen Mangel an Verantwortung zahlen letztlich die Forschenden und der Forschungsstandort Schweiz den Preis.

Ein besonderes Merkmal der prekären Anstellungen an Hochschulen: Mitarbeitende werden zwar Teilzeit angestellt und entlöhnt, aber von ihnen wird oft Vollzeitarbeit gefordert.

Die Gewerkschaft VPOD hat bei akademischem Nachwuchs der Universität Zürich eine Umfrage zu Mehrstunden durchgeführt. Rund 1'600 Personen haben teilgenommen. Davon sind 91% befristet angestellt. Das Ergebnis ist alarmierend: 73.5% der Befragten leisten regelmässig Mehrstunden. Die Hälfte davon 10 oder mehr Stunden pro Woche. Weil das Führen einer Zeitbuchhaltung freiwillig und kaum etabliert ist, können die Doktorierenden, Postdoktorierenden, Assistent:innen und wissenschaftlichen Mitarbeiter:innen die Mehrstunden weder kompensieren noch werden sie dafür entschädigt. Sie leisten massenhaft Gratisarbeit für die Universität.

Die Ergebnisse strahlen in ihrer Deutlichkeit über die Universität Zürich hinaus. An den Hochschulen wird versteckte Mehrarbeit geleistet. Neben den schweren Arbeitsbedingungen wie häufige Befristungen, hohe Abhängigkeit von Professor:innen, erheblicher Konkurrenzdruck usw. kommen jetzt noch die vielen oft unbezahlten Überstunden. Und das ist kein Zufall. Unbefristete Verträge sind oft unterdotiert. Sie bilden nicht die längerfristige reale Arbeitslast ab, sondern sind Resultat eines schädlichen Wettbewerbs zwischen Forschungsprojekten und Forschenden. Die Beschäftigten im Mittelbau subventionierender auf Kosten ihrer Gesundheit, ihres Privatlebens und ihrer längerfristigen akademischen Laufbahn den schweizerischen Wissenschaftsstandort. Was für eine unhaltbare Situation!

Die Petition Acemia und der VPOD setzten sich dafür ein, dass auch Wissenschaftler:innen Teilzeit arbeiten können, um Erwerbsarbeit und anderen Verpflichtungen zu vereinbaren, ohne von einer wissenschaftlichen Laufbahn ausgeschlossen zu werden. Dazu muss aber das Anstellungspensum und die effektiv geleistete Arbeit übereinstimmen. Ist diese nicht der Fall, dann gibt es nur zwei Möglichkeiten. Die Arbeitslast zu reduzieren oder die zusätzliche Arbeit zu vergüten.

Daher ist klar: Es braucht dringend Verbesserungen der Anstellungsbedingungen des akademischen Nachwuchses. Auch Angestellte des akademischen Mittelbaus sollen für alle geleistete Arbeit, fair entschädigt werden.

Also: organisiert euch gewerkschaftlich!