Gesundheitspersonal: Versorgungsalarm

Von: Beatriz Rosende und Stefan Giger

Erneut überlastete Spitäler aufgrund von Personalmangel.

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Die zur Eindämmung der x-ten Corona-Welle getroffenen Massnahme reichen immer noch nicht aus, um die Zahl der Spitaleinweisungen zu begrenzen, obwohl das notwendige Material, Beatmungsgeräte, Spitalbetten und Impfstoffe zur Verfügung stehen. 24 Monate nach den ersten Warnmeldungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind die Spitäler wegen Personalmangel wieder überlastet. Wie in einem Dominospiel erfasst die Überlastung alle Bereiche bis hin zur Spitex, welche auffangen muss, was die öffentlichen Spitäler nicht mehr leisten können.

Seit Jahren hat der VPOD die falschen Anreize in der Gesundheitspolitik kritisiert, die Pandemie hat es schmerzlich vor Augen geführt: Mit Ausrichtung des Gesundheitswesens auf Privatisierung, Fallpauschalen und Profitmaximierung wurde das Personal nur noch als lästige Manövriermasse behandelt, kein Wunder, dass es heute fehlt.

Wer zahlt den Preis?

  • Alle Patientinnen und Patienten, und zwar nicht nur die schweren COVID-Fälle in der Intensivpflege, auch viele andere, weil notwendige Operationen als «nicht dringlich» bezeichnet und verschoben werden.
  • Alle Berufsgruppen im Gesundheitswesen sind erschöpft, aufgerieben, ohne Erholungsmöglichkeit zwischen den Wellen, wo die verschobenen Behandlungen und die verpassten Einnahmen nachgeholt werden müssen. Das Herumschieben von Personal in die überlasteten Abteilungen hat eine Abwärtsspirale erzeugt, die alle Mitarbeitenden erfasst.

Folge sind auch ethische Konflikte: Sollen die Patientinnen und Patienten triagiert werden? Mit welchen Kriterien? Darüber hinaus stellt die Überlastung auch ein Risiko für alle Patientinnen und Patienten dar, auch wenn sie nicht direkt triagiert werden. Verschobene Operationen vergrössern die gesundheitlichen Risiken, für viele Betroffene mit schwerwiegenden Folgen.

Die VPOD-Gesundheitskommission alarmiert die Behörden der Kantone und des Bundes: die Sicherheit der Pflege in vielen Abteilungen ist nicht mehr gewährleistet, und dies nicht nur auf den Covid-Stationen.

Deshalb fordern wir:

  1. Die strikte Einhaltung der Ruhezeiten, Höchstarbeitszeiten und der freien Tage in der Arbeitswoche, damit sich das betroffene Personal erholen kann. Geplante Ferien dürfen in diesem Winter unter keinen Umständen gestrichen werden.
  2. Die kantonalen Behörden müssen bei Engpässen anordnen, dass qualifiziertes Personal aus den Privatkliniken zur Verstärkung in die öffentlichen Spitäler geholt wird.
  3. Eine Abschaffung der Fallpauschalen im Gesundheitswesen, dieses setzt die falschen Anreize, die zur heutigen Überlastung geführt haben. In der Zwischenzeit und in der jetzigen dringlichen Situation müssen die Gesundheitseinrichtungen die Garantie haben, dass ihre ausserordentlichen Ausgaben im Zusammenhang mit der Pandemie vollständig von den Kantonen und dem Bund finanziert werden.
  4. Lohnerhöhungen für alle Berufsgruppen im Gesundheitswesen: Pflege, Labor, Reinigungs- und Hygienepersonal, Rettungsdienste, Radiologie usw. Die Gesundheitsberufe sind als traditionelle Frauenberufe eindeutig unterbezahlt.

Auskunft: Stefan Giger, Generalsekretär VPOD 079 296 77 07


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15.12.2021MM Gesundheitspersonal: VersorgungsalarmPDF (84 kB)