Der 1. Oktober war im Kanton Freiburg ein Tag des Zorns gegen die vom Staatsrat im Rahmen seines Programms zur Sanierung der Staatsfinanzen (PAFE) geplanten Kürzungen. Nachdem bereits am 4. Juni (2500 Teilnehmer:innen) und erneut am 24. September (über 3000 Demonstrant:innen) zahlreiche Menschen gegen dieses Projekt protestiert hatten, folgten die Angestellten des öffentlichen und halböffentlichen Dienstes in Freiburg massiv dem Aufruf des VPOD – Region Freiburg, der FEDE (Föderation der Personalverbände der Staatsangestellten des Kantons Freiburg) und des VOPSI (Verband des Organisationen des Personals der Sozialen Institutionen des Kantons Freiburg), sich dem Aktions- und Streiktag am Mittwoch, dem 1. Oktober, anzuschließen. Dies war eine Premiere im Kanton Freiburg und zeugt vom Ausmass der Wut in der Bevölkerung.
Eine Vielzahl von Aktionen. Trotz eines Vermögens von 590 Millionen Franken will der Staatsrat fast 200 Millionen Franken einsparen, davon zwei Drittel auf Kosten des bereits überlasteten Personals, während er seit 2017 jährlich 200 Millionen Franken an Steuergeschenken an die Privilegierten verteilt! Die Wut kam durch verschiedene Mobilisierungsaktionen, die von Arbeitsniederlegungen bis zu Streiks reichten, an über 150 verschiedenen Orten zum Ausdruck. Da mehrere Sektoren im Falle eines Streiks einem Mindestdienst unterliegen, mussten die Streikenden ihre Aktionen unter Berücksichtigung dieses Umstands anpassen. So organisierten die meisten Schulen Arbeitsniederlegungen von 10.00 bis 12.00 Uhr. Das gleiche Bild bot sich in mehreren Alters- und Pflegeheimen (AHP), im Sozialbereich und im Jugendamt. Abgesehen von den Notdiensten streikte die Stiftung «Le Tremplin» den ganzen Tag und organisierte mittags eine Verpflegung für die Streikenden in Form einer Grillade. Vor der Kantons- und Universitätsbibliothek wurde ein Streikposten organisiert.
Breite Mobilisierung im Gesundheitsbereich. Im Kantonsspital Freiburg (HFR) wurde ab 7.00 Uhr morgens an allen drei Standorten ein Streikposten organisiert. Dreihundert Streikende hatten sich angemeldet, viele wurden jedoch zur Aufrechterhaltung des Mindestdienstes herangezogen. Die Beschäftigten des HFR sind mit einem Kostensenkungsprogramm konfrontiert, zu dem noch das PAFE sowie ein bevorstehender Angriff hinzukommen. Letzterer zielt darauf ab, sie aus dem Geltungsbereich des Personalgesetzes herauszunehmen. Es mangelt also nicht an Gründen, wütend zu sein, was alle Personalkategorien bekräftigten. Assistenzärzt:innen erklärten: «Das medizinische Personal, das bereits durch immer schwierigere Arbeitsbedingungen und einen permanenten Druck erschöpft ist, kann keine weiteren Budgetkürzungen verkraften, ohne den Kern seiner Aufgabe zu gefährden.» Die Pflegefachpersonen erinnerten an Folgendes: «von Einsparungen zu sprechen bedeutet, dass es weniger Personal geben wird und die Versorgung der Patient:innen gefährdet ist». Und die Fachleute Gesundheit (FAGE) forderten Respekt. Alle betonten ihre Erschöpfung, ihr Engagement und ihre Sorge um die Versorgungsbedingungen der Patient:innen, wenn die Dinge so weiterlaufen wie seit zu langer Zeit.
Taube Behörden. Diese Worte und die Mobilisierungen, die sie getragen haben, werden von den politischen Behörden nicht gehört werden. Der Staatsrat, der nie um eine Ungeheuerlichkeit verlegen ist, wird die Diskreditierung bis zum Äußersten treiben, indem er behauptet, dass die Zahl der Streikenden sich auf ... 331 belief, und damit seine ernsthaften Probleme mit den elementarsten mathematischen Grundkenntnissen bestätigt. Der Grosse Rat verabschiedete nach 16-stündiger Debatte das Gesetz zur Sanierung der Finanzen (LAFE). Die Angelegenheit ist jedoch noch nicht entschieden, da die Sozialistische Partei nach den Mobilisierungen beschlossen hat, bei ihrer Versammlung am 15. Oktober ein Referendum gegen das LAFE zu lancieren!
