Kinderbetreuung unter Druck: Zusammen für gute Kitas – jetzt!

Von: Vanessa Salamanca, Zentralsekretärin Kinderbetreuung & Gleichstellung

Die Kitas in der Schweiz stecken in der Krise: hohe Preise für die Eltern, zu wenig Personal, Druck auf allen Seiten. Jetzt läuft eine landesweite Umfrage zur Lage in den Kitas, und in Zürich verhandelt der VPOD den ersten Kita-GAV der Deutschschweiz. Ein Zürcher Beispiel zeigt: Wenn Personal und Eltern zusammenstehen, bewegt sich etwas.

Wer in einer Kita arbeitet, weiss es längst. Die Bedingungen sind hart, und oft fehlt es an Personal und an Zeit für die Kinder. Aktuell recherchiert das Medienhaus CORRECTIV.Schweiz landesweit zur Situation in den Kitas und ruft Beschäftigte und Eltern auf, ihre Erfahrungen zu melden. Gleichzeitig verhandelt der VPOD in der Stadt Zürich, gemeinsam mit dem Branchenverband Kibesuisse, über den ersten Gesamtarbeitsvertrag für Kitas in der Deutschschweiz. Die Ausgangslage ist deutlich.

Die Schweiz hat die teuersten Kitas Europas. Je nach Kanton zahlen Eltern bis zu 3000 Franken im Monat pro Kind. Und trotzdem fehlt überall Personal. Schon 2022 hatte laut Kibesuisse fast jede Kita mindestens eine offene Stelle. Die Recherche von CORRECTIV.Schweiz zeigt, was das im Alltag heisst: ständiger Personalwechsel, Lernende mit viel zu viel Verantwortung und einem Lohn von unter zehn Franken pro Stunde, und Spardruck bis hin zum Essen der Kinder. Der Grund dahinter ist einfach. Es fliesst zu wenig Geld ins System, und ein Teil der Kitas schaut vor allem auf den Gewinn.

Auch der Branchenverband Kibesuisse sagt: Weil das Geld fehlt, geraten alle unter Druck. Gute Betreuung, feste Teams und Zeit für die Kinder kommen dabei zu kurz. In diesem Punkt sind wir uns einig. Das ist eine gute Grundlage, um gemeinsam Lösungen zu finden.

Ein Beispiel macht Mut: Wenn Eltern und Personal zusammenstehen

In einer Kita in der Stadt Zürich kündigten dieses Jahr gleich mehrere langjährige Erzieherinnen, erschöpft und übergangen. Was dann geschah, zeigt die Kraft einer Gemeinschaft. Noch am selben Abend schlossen sich über 60 Eltern zusammen. 63 von ihnen schrieben einen gemeinsamen Brief, forderten Gespräche und wandten sich an den Gemeinderat und die städtische Aufsicht. Und sie geben nicht auf: Nun wollen die Eltern zusammen mit den Betreuerinnen sogar eine eigene Kita im Quartier aufbauen.

Diese Geschichte ist mehr als ein Einzelfall. Sie zeigt, dass Eltern unsere stärksten Verbündeten sind. Wenn Beschäftigte und Familien zusammenspannen, entsteht eine Kraft, die gehört wird und die den ganzen Beruf aufwertet. Gute Betreuung ist im Interesse aller: der Kinder, der Eltern und das Personal, die diese Arbeit leisten. Genau darum setzen wir auf Community und Organizing, also auf das gemeinsame Sich-Zusammentun im Betrieb, im Quartier und über die Kantone hinweg.

Was jetzt am wichtigsten ist, sagen die Beschäftigten selbst. Am häufigsten genannt:

  • Mehr Anerkennung insbesondere durch höhere Löhne.
  • Entlastung durch Massnahmen im Bereich Arbeitszeit, insbesondere mehr Ferien und bezahlte Zeit zum Vorbereiten
  • Genug Personal, damit gute Betreuung überhaupt möglich ist.

Ein Punkt zieht sich durch: Das Personal will mitreden. Wer jeden Tag mit den Kindern arbeitet, weiss am besten, was hilft. Dafür gibt es ein starkes Werkzeug, den Gesamtarbeitsvertrag (GAV). Das sind gemeinsam ausgehandelte, verbindliche Regeln für den ganzen Betrieb: feste Löhne, geregelte Arbeitszeit, Schutz vor Willkür und ein Recht auf Mitsprache. Wichtig: Ein GAV gilt für alle im Betrieb, ob Gewerkschaftsmitglied oder nicht.

In der Stadt Zürich sitzen der VPOD und Kibesuisse dafür gemeinsam am Tisch. Der Vertrag gilt vorerst für die Kita-Angestellten der Stadt Zürich und wäre der erste Kita-GAV der ganzen Deutschschweiz. Was hier gelingt, ist ein Vorbild für jede Region. Über die Kantone hinweg vernetzen wir Kita-Mitarbeitende und Eltern, zusammen mit dem Feministischen Streikkollektiv Zürich, mit Trotzphase und mit solidarischen Eltern. Und am 14. Juni 2027, machen wir beim feministischen Care-Streik sichtbar, wie viel Sorgearbeit wert ist. Bis dahin haben wir ein Jahr, um uns zu organisieren und stark zu werden.

Von der Politik allein kommt zu wenig. Die Kita-Initiative wurde 2026 zurückgezogen. Das neue Gesetz bringt Eltern zwar eine Zulage von 100 bis 500 Franken pro Kind, aber erst ab etwa 2029, und für das Personal steht nichts drin. Was die Politik nicht liefert, nehmen wir selbst in die Hand: gemeinsam, im Betrieb und am Verhandlungstisch.

Mach mit!

Du arbeitest in einer Kita, als Fachperson, Lernende:r, Praktikant:in oder Quereinsteiger:in? Oder du bist Elternteil und willst bessere Kitas? Dann geht dich das an, auch wenn du noch nicht organisiert bist. Du musst dich nicht auskennen und nichts allein machen. Zwei einfache erste Schritte:

  • Erzähl, wie es in deiner Kita läuft: Mach bei der landesweiten Umfrage von CORRECTIV.Schweiz mit, als Beschäftigte:r oder als Elternteil. Jede Erfahrung macht die Lage sichtbar: app.crowdnewsroom.org/crowdnewsroom/kitas-1-1
  • Werde Teil der Bewegung: Der VPOD setzt sich für bessere Arbeitsbedingungen und den ersten Kita-GAV der Deutschschweiz ein. Willst du mitmachen? Melde dich, und bring den Link in dein Team und deinen Elternchat. Mehr zur Kampagne: vpod.ch/campa/gav-fuer-zuercher-kitas

Gute Kinderbetreuung braucht gute Arbeitsbedingungen und genügend Geld. Je mehr wir sind, desto näher rückt das Ziel. Zusammen schaffen wir das!

Quellen: «Diese Kita war ein ‹Traum›…», Tages-Anzeiger (Beat Metzler), Zürcher Beispiel. CORRECTIV.Schweiz, «Profitcenter Kita» (11.9.2026). Nationale Umfrage: app.crowdnewsroom.org/crowdnewsroom/kitas-1-1. BSV/UKibeG (bsv.admin.ch/de/ukibeg) und sozialesicherheit.ch (Auszahlung rund 2029/30). VPOD-Kampagne «GAV für Zürcher Kitas». VPOD, «Startschuss Care-Streik 2027» (14.6.2026).