Dieses Motto prägte das gesamte Programm. Unter dem Titel «Vorwärts trotz Gegenwind» zeigten Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Regionen, wie gewerkschaftlicher Einsatz im Bildungs- und Wissenschaftsbereich Wirkung entfalten kann. Eine Kollegin zeigte, wie die Lehrpersonen der ersten beiden Schuljahre im Kanton Waadt dafür gekämpft haben, die Mittel zu erhalten, um ihren Auftrag zu erfüllen, und gegen die Geringschätzung seitens der politischen Behörden.» Die Gruppe VPOD Mittelbau an der Universität Basel stellte vor, wie sie sich in den letzten Jahren entwickelt hat und wie sie sich gegen die Prekarität ihrer Arbeitsbedingungen und gegen Sparmassnahmen mobilisiert hat. Die Volksschulgruppe VPOD Zürich berichtete von der Bildungsdemo vom 1. Juni 2024 mit 3'000 Teilnehmenden und der Petition «Entlasten statt belasten», die in nur vier Monaten über 7'000 Unterschriften sammelte. Kolleginnen aus der Waadt schilderten, wie der Bildungsbereich zum Herzstück des Widerstands gegen die Sparmassnahmen des Waadtländer Staatsrats wurde, der im Herbst und Winter 2025 mit bis zu 13 Streiktagen und Grossdemonstrationen mit bis zu 28'000 Menschen seinen Höhepunkt fand.
Das Titelreferat griff das Konferenzthema unmittelbar auf: Fitzgerald Crain, Dozent an der Universität Basel, fragte pointiert «Fördert unser Schulsystem demokratiefeindliche Tendenzen?» und gab damit wichtige Impulse für die anschliessende Diskussion. Noch konkreter wurde die Frage nach Demokratie und Meinungsfreiheit in der Podiumsdiskussion «Meinungsfreiheit und Treuepflicht»: Was darf ich als Lehrperson, als Forscher:in, als Gewerkschafter:in sagen? Es diskutierten Pauline Milani, Dozentin für Zeitgeschichte an der Universität Freiburg, Sophie Blaser, Präsidentin der Verbandskommission und Gemeinderätin in Zürich, Christian Dandrès, Präsident des VPOD und Nationalrat, sowie Raphaël Ramuz, Gewerkschaftssekretär VPOD Waadt. Das Gespräch zeigte eindrücklich, wie das Spannungsfeld zwischen freier Meinungsäusserung und arbeitsrechtlichen Loyalitätspflichten den Alltag von Beschäftigten im Bildungs- und Wissenschaftsbereich unmittelbar berührt und wie notwendig gewerkschaftliche Aktion ist, um die Rechte des Personals zu wahren und zu stärken.
Am Nachmittag des zweiten Konferenztages vertieften die Delegierten die Themen in vier Ateliers ihrer Wahl. Im Atelier «Gesundheit am Arbeitsplatz stärken» stand im Mittelpunkt, wie strukturelle Arbeitsbedingungen die Gesundheit beeinflussen und wie gewerkschaftliche Mitwirkung auf betrieblicher und politischer Ebene wirksam werden kann. Das Atelier zum feministischen Care-Streik 2027 diskutierte, welche Bedeutung ein Care-Streik speziell für Bildungsarbeit haben kann und welche Formen kollektiver Aktion im Hinblick auf den feministischen Care-Streik 2027 denkbar sind. Im dritten Atelier wurden kritische Reflexionen zur künstlichen Intelligenz im Bildungsbereich erarbeitet, und das vierte Atelier widmete sich dem gewerkschaftlichen Kampf für besseren Schutz vor Hitze in den Schulen - ein Thema, das angesichts des Klimawandels zunehmend an Dringlichkeit gewinnt.
Die Konferenz fasste einstimmig drei Anträge. Der VPOD soll ein nationales Positionspapier zur integrativen Schule erarbeiten und Regionen unter bildungspolitischem Druck gezielt unterstützen. Der VPOD soll sich zudem aktiv und sichtbar am schweizweiten Care-Streik 2027 beteiligen und Bildung explizit auch als Care-Arbeit benennen und sichtbar machen. Schliesslich verabschiedeten die Delegierten eine Solidaritätsbotschaft an die iranische Lehrerinnen- und Lehrergewerkschaft CCITTA, in der sie den Schutz ziviler Infrastruktur, insbesondere von Schulen als sichere Lernorte, fordern und ihre Solidarität mit den Lehrpersonen und Gewerkschafter:innen bekunden, die unter schwierigsten Bedingungen für ihre Rechte und für Demokratie einstehen. Auch dieser Beschluss war Ausdruck des Konferenzmottos: Demokratie braucht Menschen, die für sie einstehen.
Auf der statutarischen Traktandenliste standen schliesslich der Tätigkeitsbericht der vergangenen vier Jahre sowie die Erneuerung der Verbandskommission. Neu gewählt wurden Mitglieder aus verschiedenen Sprachregionen und Bildungsstufen. Als Präsidentin der Verbandskommission wurde Sophie Blaser bestätigt. Wir gratulieren herzlich und freuen uns auf die Zusammenarbeit!
