In vielen Kantonen sind die Bedingungen unhaltbar: tiefe Löhne, hohe Fluktuation, chronische Unterfinanzierung und steigende Elternbeiträge. Das Personal trägt die Last – mit Überstunden, hoher emotionaler und körperlicher Belastung sowie prekären Arbeitsbedingungen.
Der Gegenvorschlag zur Kita-Initiative setzt zwar ein politisches Signal, bleibt jedoch weit hinter dem zurück, was die Branche dringend braucht. Er enthält keine verbindlichen Qualitätsstandards, keine nationalen Lohnvorgaben und keine strukturelle Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Auch eine nachhaltige Finanzierung fehlt.
„Ich arbeite seit vielen Jahren in dieser Branche und hätte mir sehr gewünscht, vor meiner Pensionierung noch eine echte Aufwertung der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung sowie der wichtigen Arbeit in den Kitas zu erleben. Dass diese Chance nun verloren geht, ist sehr enttäuschend.“ - Markus Marti, Kita-Leiter und VPOD-Mitglied
Besonders kritisch beurteilt der VPOD die geplante Betreuungszulage. Sie verspricht Entlastung für Eltern, bedeutet aber gleichzeitig einen Rückzug des Bundes aus dem Ausbau der Kinderbetreuung. Mit dem Ende des bisherigen Impulsprogramms würden rund 811 Millionen Franken eingespart; vorgesehen sind künftig nur noch etwa 100 Millionen Franken für Programmvereinbarungen.
Zudem würde die Zulage direkt an Eltern ausbezahlt statt an die Betreuungsstrukturen. Dadurch werden gewinnorientierte private Anbieter gleichgestellt mit öffentlichen oder gemeinnützigen Einrichtungen – mit dem Risiko einer weiteren Privatisierung. Statt in Qualität und gute Arbeitsbedingungen zu investieren, droht damit ein Wettbewerb über tiefere Kosten – während private Anbieter auch von öffentlichen Geldern profitieren könnten. Gleichzeitig bleiben Arbeitsbedingungen, Löhne und Betreuungsschlüssel weiterhin unreguliert. Kinderbetreuung ist Teil der öffentlichen Grundversorgung – genauso wie Schule und Gesundheit.
Jetzt braucht es eine starke gewerkschaftliche Offensive für:
- Gute Arbeitsbedingungen: Faire Löhne, ausreichend Personal, garantierte Vorbereitungszeiten.
- Verbindliche Qualitätsstandards für alle Einrichtungen.
- Nachhaltige Finanzierung: Bund, Kantone und Gemeinden gemeinsam langfristig verantwortlich.
- Bezahlbare Betreuung für alle Familien und einkommensabhängige Tarife.
- Stärkung öffentlicher und gemeinnütziger Trägerschaften statt Privatisierung.
Der VPOD wird gemeinsam mit Beschäftigten, Eltern und politischen Partner:innen weiter Druck machen – in den Betrieben, in den Kantonen und auf Bundesebene.
Gute Kinderbetreuung braucht gute Arbeitsbedingungen und genügend Geld!
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| 10.03.2026 | Medienmitteilung: Rückzug Kita-Initiative | PDF (123.1 kB) |
