Aussendienst - und wer zahlt die Spesen?

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Jahrelang hatte Kollegin U. zu wenig Spesenentschädigung erhalten. Erst als sie unfallbedingt kurz ausfiel und der Druck auf sie stieg, holte sie sich Unterstützung beim VPOD, um die finanziellen Fragen rund um Krankenlohn, Spesen und Arbeitsvertrag zu klären.

Text: Sabine Braunschweig

In gewissen Kantonen steht Mitarbeitenden im Aussendienst ein Gesamtarbeitsvertrag für Handelsreisende zur Verfügung. Dieser regelt die Rahmenbedingungen des Arbeitsverhältnisses, etwa Probezeit, Kündigung, Arbeitszeit und Ferien, Kinderzulagen und Lohnfortzahlung bei Krankheit. Im Fall von Kollegin U. ging es um die Spesenentschädigung. Bereits bei der Anstellung gab es offene Fragen rund um Zulagen und Spesen. Bevorbeide Seiten damals den Vertrag unterzeichneten, stellte die Firma ein Spesenreglementin Aussicht, das sie aber erst zwei Jahre später auf U.s erneute Nachfrage aushändigte.

Nicht mal ein Telefonat?

Das Problem der Spesen wurde akut, als U. unfallbedingt zu 100 Prozent arbeitsunfähig wurde. Ihr Chef wünschte ihr zwar gute Besserung und vollständige Genesung und verstand auch, dass sie keine Kunden besuchen und beraten konnte. Dass sie aber kein einziges Telefongespräch führen wollte, begriff er nicht. Es sei in U.s Interesse, der Kundschaft u signalisieren, dass sie nur kurze Zeit ausser Gefecht sei, um so die Kundenbindung nicht zu verlieren. Ihr fehle das unternehmerische Denken, kritisierte er, gerade bei demLohnmodell, wo ein Teil ihres Einkommens vom Umsatz abhängig sei. U. holte sich Unterstützung beim VPOD, um Fragen des Arbeitsvertrags, des Krankenlohns und der Spesenregelung zu klären. DerVPOD-Sekretär glich die Lohnabrechnungen seit Vertragsbeginn mit den Vorgaben des GAV und dem Spesenreglement der Firma ab und stellte fest, dass die ausbezahlten Spesen über die Jahre hinweg in keiner Weise U.s Kosten deckten. Weder die gefahrenen Autokilometer noch die Garagenmiete und die Versicherungsprämie waren genügend abgegolten. Die Anwälte der Firma rechneten nun ihrerseits vor, wie sich die ausbezahlten Spesen zusammensetzten und kamen – wen wundert’s – auf ein ganz anderes Ergebnis. Der kleine Betrag, der U. demnach noch zugestandenwäre, sei mehr als beglichen, da die Firma die Abgrenzung zwischen privat und geschäftlich zurückgelegten Fahrkilometern stets in U.s Interesse grosszügig und unbürokratisch vorgenommen habe.

Eine Woche nach diesemSchreiben, als U. schon lange wieder arbeitete, wurde ihr die Benzinkarte gesperrt und ohne Rücksprache oder Einhaltung einer entsprechenden Frist ultimativ eine neue Spesenregelung zugestellt. Für U. war das unhaltbar, umso mehr als mit dieser Regelung die Gleichbehandlung im Betrieb noch weniger gewährleistet war, da ihr Arbeitskollege ein Geschäftsauto und eine Benzinkarte zur Verfügung hatte. Sie kündigte fristgerecht.

Erst mal alles bestreiten

Nun übernahm der VPOD-Vertrauensanwalt den Fall, um die ausstehenden Spesen bei der Firma einzufordern. Detailliert zeigte er auf, welche Beträge gemäss dem ursprünglichen Spesenreglement noch anfielen. Diese Zahlen, die auch auswärtige Verpflegung und Handykosten sowie Kleinspesen, etwa Parkgebühren und Faxkosten umfassten, bestritt die Gegenseite. Weil offensichtlich keine gütliche Einigung mit dem Arbeitgeber möglich war, reichte der Anwalt beim Friedensrichteramt eine Teilklage ein. Nach der Sühneverhandlung konnten sich die Parteien doch noch auf die Nachzahlung eines Betrags einigen. Diese Summe, die zwar nicht ganz so hoch war wie gefordert, wurde U. ausbezahlt – immerhin.